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Schnellladen beim E-Auto: Wie oft ist zu oft

E-Auto beim Laden an einer öffentlichen Ladestation
E-Auto beim Laden an einer öffentlichen Ladestation; Bild: YRKA PICTURED/Unsplash

Schnellladen gehört zu den größten Vorteilen moderner Elektroautos. An leistungsfähigen DC-Ladesäulen lassen sich viele Modelle innerhalb von 20 bis 30 Minuten wieder für die Weiterfahrt aufladen. Gerade auf langen Strecken ist das praktisch und oft unverzichtbar. Gleichzeitig hält sich die Sorge, häufiges Schnellladen könne dem Akku dauerhaft schaden. Ganz unbegründet ist diese Befürchtung nicht, da hohe Ladeleistungen eine Lithium-Ionen-Batterie stärker belasten als langsames AC-Laden. Das bedeutet allerdings keineswegs, dass jeder Stopp am Schnelllader die Lebensdauer der Batterie merklich verkürzt.

Warum Schnellladen den Akku stärker belastet

Beim Schnellladen fließt Gleichstrom mit hoher Leistung in das Fahrzeug. Je nach Modell werden dabei Spitzenwerte von weit über 100 bis über 300 kW erreicht. Je höher die Ladeleistung ausfällt, desto größere Stromstärken fließen in kurzer Zeit durch die einzelnen Batteriezellen, was zu einer erhöhten Wärmeentwicklung führt. Hohe Temperaturen in Verbindung mit hohen Ladeleistungen können chemische Alterungsprozesse beschleunigen. Moderne Batteriemanagementsysteme schützen den Akku jedoch effektiv. Wird die Batterie zu heiß oder nähert sich der Ladestand einem kritischen Bereich, drosselt das Fahrzeug die Ladeleistung automatisch. Aus diesem Grund fällt die Ladekurve meist ab einem Füllstand von etwa 80 Prozent deutlich ab.

Einfluss von häufigem Schnellladen auf die Batterielebensdauer

Untersuchungen im Alltag zeigen einen messbaren Zusammenhang zwischen sehr häufigem DC-Schnellladen und einer leicht erhöhten Batteriedegradation. Eine umfassende Auswertung von Geotab mit Daten von mehr als 22.700 Elektrofahrzeugen verdeutlicht diesen Effekt. Im Durchschnitt verloren die untersuchten Batterien rund 2,3 Prozent ihrer Kapazität pro Jahr. Bei Fahrzeugen, die primär mit moderater Wechselstrom-Leistung geladen wurden, lag die jährliche Degradation bei etwa 1,5 Prozent. Bei Fahrzeugen mit sehr hohem Schnellladeanteil stieg der Wert auf durchschnittlich 2,5 Prozent pro Jahr an. Solche Durchschnittswerte hängen jedoch stark vom einzelnen Modell, dem Thermomanagement, dem Klima und den individuellen Nutzungsgewohnheiten ab.

Optimale Häufigkeit für Schnellladevorgänge

Eine starre Obergrenze für die Anzahl erlaubter Schnellladevorgänge existiert nicht. Wer überwiegend zu Hause oder am Arbeitsplatz mit Wechselstrom lädt und den Schnelllader hauptsächlich auf langen Ausfahrten nutzt, muss sich keine Sorgen um den Zustand des Akkus machen. Auch mehrere aufeinanderfolgende Schnellladungen während einer Urlaubsreise stellen kein Problem dar. Eine Belastung entsteht primär dann, wenn ein Elektroauto über Monate und Jahre hinweg fast ausschließlich an leistungsstarken DC-Ladesäulen geladen wird.

Schnellladen auf der Langstrecke

Auf langen Autobahnstrecken ist Schnellladen der reguläre Betriebsmodus. Dafür wurden die Ladesysteme und Batterietypen entwickelt. Wer auf einer langen Distanz zwei- oder dreimal am HPC-Lader stoppt, nutzt sein Fahrzeug genau im vorgesehenen Rahmen. Das integrierte Batteriemanagement regelt Spannung und Temperatur eigenständig im sicheren Bereich. Für die langfristige Gesundheit der Batterie ist das durchschnittliche Ladeverhalten über mehrere Jahre entscheidend, nicht einzelne intensive Reisetage.

Warum die Grenze von 80 Prozent sinnvoll ist

Der effizienteste Bereich für schnelles Laden liegt bei den meisten E-Autos zwischen zehn und 80 Prozent Kapazität. In diesem Fenster kann der Akku besonders rasch Energie aufnehmen. Da die Ladeleistung oberhalb von 80 Prozent zum Schutz der Zellen stark reduziert wird, dauert das vollständige Vollladen unverhältnismäßig lange. Auf der Langstrecke ist es daher zeitsparend und akkuschonend, die Fahrt bei 80 Prozent fortzusetzen. Benötigt man für eine lange Etappenfahrt die volle Kapazität, ist das Laden auf 100 Prozent vor der Abfahrt dennoch problemlos möglich.

Bedeutung der Akkutemperatur beim Ladevorgang

Die Temperatur des Akkus spielt beim Schnellladen eine zentrale Rolle. Ist die Batterie zu kalt, kann sie hohe Ladeleistungen nur eingeschränkt aufnehmen. Viele moderne Elektroautos verfügen daher über eine automatische oder manuelle Vorkonditionierung. Wird eine Schnellladesäule im Navigationssystem als Ziel eingestellt, bringt das Fahrzeug die Batterie bereits während der Anfahrt auf die optimale Betriebstemperatur von meist 20 bis 40 Grad Celsius. Das verkürzt die Ladezeit und schont das Material.

Vergleich zwischen AC- und DC-Laden

Für die langfristige Haltbarkeit der Batterie ist das Laden mit Wechselstrom an einer Wallbox mit bis zu 11 kW eine besonders schonende Lösung. Die Ladeleistung ist ausreichend hoch, um das Fahrzeug über Nacht oder während der Arbeitszeit aufzuladen, erzeugt aber kaum schädliche Wärme im Akkupack. Das Laden an einer gewöhnlichen Haushaltssteckdose ist aufgrund höherer Ladeverluste und potenzieller Überlastung der Hausinstallation als Dauerlösung dagegen nicht empfehlenswert.

Mehrmaliges Schnellladen am selben Tag

Mehrere Schnellladungen an einem einzigen Tag verlangen dem Thermomanagement des Fahrzeugs mehr Kühlleistung ab. Sollte die Akkutemperatur bei sommerlichen Temperaturen oder nach langen Autobahnetappen zu stark ansteigen, begrenzt die Fahrzeugelektronik die Aufnahmeleistung selbstständig. Das System schützt sich somit vollautomatisch vor Überhitzung.

Fünf Regeln für akkuschonendes Schnellladen

  • Schnellladen gezielt auf Langstrecken und bei Zeitmangel nutzen
  • Im Alltag nach Möglichkeit an einer AC-Wallbox mit moderater Leistung laden
  • Bei Schnellladestopps in der Regel bei einem Ladestand von 80 Prozent weiterfahren
  • Die Vorkonditionierung des Akkus vor dem Schnellladen aktivieren
  • Extrem hohe oder sehr niedrige Ladezustände nicht über längere Zeiträume stehen lassen

Fazit zum Schnellladen beim Elektroauto

Schnellladen ist ein fester Bestandteil der Alltagstauglichkeit von Elektroautos. Wer auf Reisen regelmäßig HPC-Ladesäulen nutzt, muss keine vorzeitige Alterung des Akkus befürchten. Lediglich dauerhaftes und ausschließliches Schnellladen kann die Alterung der Batterie leicht beschleunigen. Wer die Möglichkeit hat, lädt im Alltag entspannt mit Wechselstrom und nutzt die volle DC-Ladeleistung genau dann, wenn sie unterwegs Zeit spart.


Über den Autor

Jessica Zimmermann

Jessica Zimmermann ist Chief Operating Officer und Autorin bei Sparneuwagen.de. Ihre Schwerpunkte sind Elektromobilität, neue Modelle und aktuelle Entwicklungen der Automobilbranche. Privat darf es beim Motorrad gerne nach Verbrenner klingen – im Alltag setzt sie dagegen voll auf Elektro.