Stellantis
Chinaautos aus Europa: So will Stellantis Werksschließungen abwenden

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- Der Autokonzern Stellantis will seine erheblichen Überkapazitäten in Europa offenbar ohne die Schließung bestehender Produktionsstandorte abbauen.
- Konzernchef Antonio Filosa setzt stattdessen auf eine stärkere Zusammenarbeit mit den chinesischen Automobilherstellern Leapmotor und Dongfeng.
- Durch die Fertigung von Fahrzeugen der beiden Partner sollen bislang unzureichend ausgelastete Werke zusätzliche Aufträge erhalten.
Das Schreckgespenst geistert schon länger durch die europäische Autobranche: Angesichts schwacher Margen und magerer Absatzzahlen könnte man auch chinesische Autos in den schlecht ausgelasteten europäischen Standorten bauen. Die Alternative wären Werksschließungen, wie sie etwa bereits bei VW und Tochter Audi diskutiert wurden und dort zur blanken Horrorshow für die von langjährigen Garantien, Tarifverträgen und betrieblicher Mitbestimmung verwöhnten Belegschaft wurden.Der französische Mischkonzern Stellantis trägt sich indes ebenfalls mit dem Gedanken, auf diese Weise an Standorten festhalten zu können. Beim Paris Automotive Summit am Rande des Pariser Autosalons erklärte Filosa laut Euronews, dass Stellantis insbesondere in Europa über zu große Produktionskapazitäten verfüge. Dennoch wolle der Konzern keine Fabriken schließen. Die Fertigung chinesischer Modelle solle dabei nicht in Konkurrenz zur Produktion der eigenen Marken treten. Wie diese Trennung umgesetzt werden könnte, erläuterte der Konzernchef allerdings nicht.
Damit verfolgt Stellantis einen anderen Ansatz als Volkswagen. Der Wolfsburger Konzern plant den Abbau von rund 50.000 Arbeitsplätzen und hat für vier deutsche Werke ab den 2030er-Jahren bislang keine Anschlussproduktion zugesichert.
Europäische Stellantis-Werke teilweise kaum ausgelastet
Wie groß der Handlungsbedarf bei Stellantis ist, zeigen Zahlen der Unternehmensberatung AlixPartners. Demnach verfügen die europäischen Produktionsstandorte über eine jährliche Kapazität von etwa 6,5 Millionen Fahrzeugen, werden durchschnittlich jedoch nur zu 46 Prozent ausgelastet. Im Jahr 2017 hatte die Auslastung noch bei 71 Prozent gelegen.
Von insgesamt 24 europäischen Werken arbeiten der Analyse zufolge 14 mit weniger als der Hälfte ihrer möglichen Produktionskapazität. An mehreren Standorten musste die Fertigung bereits zeitweise unterbrochen werden.
Besonders angespannt ist die Situation im italienischen Cassino. Nach Angaben der Gewerkschaft Fiom-Cgil wurden dort im vergangenen Jahr lediglich 19.539 Fahrzeuge produziert. Die theoretische Jahreskapazität beziffert die Arbeitnehmervertretung auf 285.000 Autos.
Chinesische Elektroautos aus spanischen Stellantis-Werken
Am konkretesten sind die Kooperationspläne derzeit in Spanien. Im Stellantis-Werk Figueruelas bei Saragossa hat bereits die Produktion des elektrischen Leapmotor B10 begonnen. Der chinesische Hersteller gab den Fertigungsstart anlässlich des Pariser Autosalons bekannt, nachdem Stellantis das Vorhaben im Mai angekündigt hatte.
Am Standort werden bislang unter anderem der Peugeot 208 und der Lancia Ypsilon hergestellt. Für die zusätzliche Produktion des chinesischen Elektro-SUV wurden nach Angaben der Gewerkschaft UGT zwischen 450 und 500 Arbeitsplätze ausgeschrieben. Die Beschäftigungsverhältnisse sind allerdings zunächst auf sechs bis zwölf Monate befristet.
Ab 2028 könnte eine weitere Produktionslinie hinzukommen. Geplant ist ein kompaktes Elektro-SUV von Opel, dessen Entwicklung in Rüsselsheim erfolgt. Um die Produktionskosten zu reduzieren, sollen wichtige Komponenten der Elektroarchitektur und die Batterietechnik von Leapmotor stammen. Eine offizielle Modellbezeichnung gibt es bislang nicht.
Auch für das Werk Villaverde in Madrid gibt es entsprechende Überlegungen. Dort läuft die Fertigung des Citroën C4 perspektivisch aus. Ab der ersten Jahreshälfte 2028 könnte stattdessen ein bislang nicht näher bezeichnetes Leapmotor-Modell produziert werden.
Vorgesehen ist dessen Vermarktung durch Leapmotor International in Europa sowie im Nahen Osten und Afrika. Konkrete Produktionszahlen wurden noch nicht genannt. Diskutiert wird außerdem eine mögliche Übertragung des Werks auf die spanische Tochter des Gemeinschaftsunternehmens. An Leapmotor International hält Stellantis 51 Prozent, der chinesische Partner die verbleibenden 49 Prozent.
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