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Audi in der Sparzwickmühle: Auch Werksschließungen kosten Milliarden

Vier Ringe, Audi, Logo, Kühlergrill
Audi Logo, Quelle: Pixabay
    • Die Zukunft des Audi-Werks in Neckarsulm bleibt über das Jahr 2033 hinaus offen, Beschäftigte haben deshalb erneut für den Erhalt des Standorts demonstriert.
    • Bislang gibt es keine konkreten Planungen, welche Modelle dort ab 2034 produziert werden könnten.
    • Ohne ein neues Fahrzeugprojekt könnte langfristig auch eine Schließung zur Debatte stehen.

Die konventionelle Autobranche steckt in der Krise und VW ganz besonders. Auch an Audi, das zu VW gehört, geht die Entwicklung nicht vorbei. Auch bei Audi muss gespart werden und wie beim Wolfsburger Mutterkonzern, geistert auch hier das Schreckgespenst der Standortschließungen durch die Belegschaft.

VW-Konzernchef Oliver Blume hatte Werksschließungen als die „teuerste Lösung“ bezeichnet. Interne Berechnungen sollen nun eine Vorstellung davon geben, welche Summen dabei auf den Konzern zukommen könnten. Nach Informationen des „Spiegel“ könnten sich die Kosten bei einer Schließung von vier gefährdeten Standorten auf insgesamt rund 16 Milliarden Euro belaufen.

Für Neckarsulm werden demnach rund zwei Milliarden Euro veranschlagt, wenn die Produktion schrittweise eingestellt würde. Eine ähnliche Summe wird für Hannover kalkuliert. Für die kleineren Werke in Emden und Zwickau werden jeweils etwa eine Milliarde Euro angesetzt.

Stellenabbau könnte weitere zehn Milliarden Euro kosten

Zusätzlich berücksichtigt die interne Kalkulation offenbar den geplanten Abbau von weltweit bis zu 60.000 Arbeitsplätzen. Dafür könnten weitere rund zehn Milliarden Euro anfallen. Damit würden sich die angenommenen Kosten für Werksschließungen und Personalabbau auf insgesamt etwa 16 Milliarden Euro summieren.

Die IG Metall hält diese Kalkulation allerdings für zu niedrig. Ein vom „Spiegel“ zitierter Gewerkschafter bezeichnete die Zahlen als „lächerlich niedrig“. Gewerkschaftsvertreter rechnen dem Bericht zufolge mit Kosten, die etwa doppelt so hoch ausfallen könnten.

Audi-Schließung in Brüssel kostete rund 1,6 Milliarden Euro

Einen Anhaltspunkt liefert das ehemalige Audi-Werk in Brüssel. Dort endete die Produktion im Februar 2025. Für die rund 3.000 Beschäftigten wurden neben Abfindungen zusätzliche Unternehmensprämien gezahlt, deren Höhe unter anderem von Tätigkeit und Betriebszugehörigkeit abhing. Insgesamt soll die Schließung Audi rund 1,6 Milliarden Euro gekostet haben.

Neckarsulm beschäftigt etwa fünfmal so viele Menschen. Eine mögliche Stilllegung würde allerdings voraussichtlich nicht abrupt erfolgen. Stattdessen könnte die Produktion über mehrere Jahre zurückgefahren und die Belegschaft entsprechend schrittweise reduziert werden. Darauf basiert offenbar auch die niedrigere interne Kostenschätzung.

Auch Verkauf eines Werks kann teuer werden

Dass selbst ein Verkauf nicht zwangsläufig Geld einbringt, zeigt das Volkswagen-Werk in Osnabrück. Nach dem Ende der Produktion des T-Roc Cabrio sollen dort ab 2027 Komponenten für das israelische Raketenabwehrsystem Iron Dome hergestellt werden. Volkswagen zieht sich aus dem Standort zurück.

Nach Informationen des „Spiegel“ hatte der Konzern zunächst mit einem Verkaufserlös gerechnet. Stattdessen könnte VW Geld zuschießen und während einer Übergangsphase einen Teil der Personalkosten übernehmen müssen. Diese und weitere Sondereffekte belasten auch die Geschäftszahlen des Konzerns. Volkswagen erwartet für das laufende Jahr inzwischen nur noch eine operative Rendite von rund einem Prozent.

Einsparungen könnten Kosten erst ab 2037 ausgleichen

Den internen Berechnungen zufolge könnten sich die hohen Kosten einer Stilllegung langfristig dennoch amortisieren. Sollten alle vier Standorte geschlossen werden und dadurch rund 40.000 Arbeitsplätze wegfallen, könnten die eingesparten Personalkosten die anfänglichen Belastungen ab etwa 2037 ausgeglichen haben. Volkswagen selbst äußert sich unter Verweis auf die Vertraulichkeit interner Unterlagen nicht zu diesen Zahlen.

Nicht berücksichtigt sind dabei mögliche wirtschaftliche Folgen für die jeweiligen Regionen. Neben direkten Arbeitsplätzen wären auch Zulieferer und andere Unternehmen betroffen. Sinkende Einkommen könnten zudem die Kaufkraft vor Ort reduzieren.

Für Neckarsulm kämen erhebliche Auswirkungen auf die kommunalen Finanzen hinzu. Die Stadt nahm 2025 mehr als 100 Millionen Euro Gewerbesteuer ein, wobei der konkrete Anteil von Audi nicht separat ausgewiesen wird. Für das laufende Jahr wird bereits mit einem Rückgang der Gewerbesteuereinnahmen auf ungefähr die Hälfte gerechnet.


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Über den Autor

Roman van Genabith

Roman van Genabith ist Journalist und Autor bei Sparneuwagen.de. Seine Schwerpunkte liegen auf Elektromobilität, Automobilwirtschaft, Marktentwicklungen und Mobilitätspolitik. Dabei ordnet er aktuelle Entwicklungen auch anhand ihrer wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Hintergründe ein.

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