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Undenkbares wird gedacht: Werden bald China-Autos in deutschen Werken gebaut?

Volkswagen Produktion in China; Quelle: Pressefoto
    • Volkswagen und Porsche verschärfen ihren Sparkurs.
    • Während Porsche laut Medienberichten weitere Tausende Stellen abbauen will, berät der Aufsichtsrat des Volkswagen-Konzerns über zusätzliche Einsparmaßnahmen.
    • Gleichzeitig gewinnt innerhalb der Branche eine bislang kaum diskutierte Option an Bedeutung: Die Produktion von China-Autos in deutschen Werken.

Bei VW hatte man erstmals die Büchse der Pandora geöffnet: Volkswagen-Chef Oliver Blume steht unter wachsendem Druck, eine Strategie für die Zukunft des Konzerns vorzulegen. Bei der anstehenden Aufsichtsratssitzung dürfte neben Kostensenkungen vor allem die Frage im Mittelpunkt stehen, wie die Produktionskapazitäten der deutschen Werke langfristig ausgelastet werden können.

Der Personalabbau gilt in vielen Bereichen bereits als beschlossene Sache. Beobachter weisen jedoch darauf hin, dass Stellenstreichungen zwar die Kosten senken, die strukturellen Herausforderungen der Branche aber nicht lösen. Entscheidend sei vielmehr, wie die vorhandenen Produktionskapazitäten künftig genutzt werden. In diesem Zusammenhang kam auch die Option, chinesische VW-Modelle in deutschen Werken zu produzieren, zum ersten Mal auf den Tisch.

Auch bei Porsche verschärft sich die Lage. Medienberichten zufolge plant der Sportwagenhersteller den Abbau von weiteren rund 4.000 Arbeitsplätzen. Zusammen mit bereits angekündigten Maßnahmen könnte sich die Zahl der wegfallenden Stellen auf nahezu 8.000 erhöhen. Gleichzeitig wird über eine stärkere Verlagerung einzelner Modellreihen diskutiert.

Deutsche Standorte sind teuer und nicht ausgelastet

Die Automobilindustrie steht seit längerem unter Druck. Die Nachfrage nach Elektroautos entwickelt sich vielerorts langsamer als erwartet, während deutsche Hersteller in China Marktanteile an heimische Wettbewerber verlieren. Hinzu kommen hohe Investitionen in Elektromobilität und Software sowie eine sinkende Auslastung vieler Produktionsstandorte in Deutschland.

Vor diesem Hintergrund wird zunehmend darüber diskutiert, freie Kapazitäten in deutschen Werken für Fahrzeuge chinesischer Hersteller oder für in China entwickelte Modelle zu nutzen. Volkswagen hatte die Möglichkeit, China-Autos auch hier zu bauen, bereits im Frühjahr grundsätzlich angesprochen. Markenchef Thomas Schäfer betonte später jedoch, dass Exporte chinesischer Modelle nach Europa derzeit wenig sinnvoll seien, da diese für den chinesischen Markt entwickelt worden seien.

Chinaoption findet parteiübergreifend Anklang in Politik

Auch aus der Politik kommen inzwischen Signale, entsprechende Optionen zu prüfen. Niedersachsens Ministerpräsident und VW-Aufsichtsrat Olaf Lies sowie Sachsens Wirtschaftsminister Dirk Panter hatten sich dafür ausgesprochen, neue Nutzungsmöglichkeiten für bestehende Werke zu untersuchen, bevor Standorte geschlossen werden.

Der Duisburger Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer hält eine solche Entwicklung insbesondere bei Volkswagen im Gespräch mit n-tv für realistisch. Er verweist auf die Zusammenarbeit des Konzerns mit dem chinesischen Elektroautohersteller Xpeng, mit dem Volkswagen Software und Fahrzeugplattformen entwickelt. Eine vertiefte Kooperation könnte nach seiner Einschätzung langfristig auch eine Produktion entsprechender Fahrzeuge in europäischen VW-Werken ermöglichen.

Nach Ansicht Dudenhöffers haben chinesische Hersteller insbesondere bei Batterietechnologie, Software und digitalen Fahrzeugfunktionen erhebliche Fortschritte erzielt. Dadurch habe sich das Kräfteverhältnis in der Branche deutlich verändert. Gleichzeitig betont er, dass Deutschland aufgrund seiner hohen Produktionskosten für viele chinesische Hersteller als Fertigungsstandort weniger attraktiv sei. Unternehmen wie BYD investierten stattdessen in Werke in Ungarn oder der Türkei. Auch Stellantis setzt bei einem künftigen Opel-Elektromodell auf Technik des chinesischen Partners Leapmotor und plant die Fertigung in Spanien.

Für Volkswagen könnte die Nutzung chinesischer Fahrzeugtechnik oder die Produktion entsprechender Modelle deshalb eine Möglichkeit sein, bestehende Werke besser auszulasten. Ob der Konzern diesen Weg tatsächlich einschlagen wird, ist derzeit jedoch offen. Klar ist lediglich, dass sich die Diskussion inzwischen über reine Sparmaßnahmen hinaus auf die grundsätzige Ausrichtung des Geschäftsmodells von Europas größtem Autobauer verlagert hat.


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