Ratgeber
Ladeverluste beim E-Auto: So viel Strom geht beim Laden verloren

Wer sein Elektroauto auflädt, bezahlt häufig für mehr Strom, als tatsächlich in der Batterie ankommt. Der Grund dafür sind sogenannte Ladeverluste, die bei jedem Ladevorgang entstehen. Je nach Fahrzeug, Ladeleistung und Außentemperatur können diese erheblich ausfallen. Besonders beim Laden an der Haushaltssteckdose geht überraschend viel Energie verloren. Doch wie hoch sind die Verluste wirklich, was kosten sie und wie lassen sie sich reduzieren? Eine aktuelle Untersuchung des ADAC liefert interessante Antworten.
Warum entstehen beim Elektroauto Ladeverluste?
Die Batterie eines Elektroautos speichert Gleichstrom. Beim Laden an einer Wallbox oder Haushaltssteckdose wird allerdings Wechselstrom geliefert, den das On-Board-Ladegerät des Fahrzeugs zunächst umwandeln muss. Dabei geht ein Teil der Energie in Form von Wärme verloren.
Hinzu kommt, dass während des Ladevorgangs zahlreiche Steuergeräte aktiv bleiben. Allein die Fahrzeugelektronik benötigt laut ADAC zwischen 100 und 300 Watt Leistung. Je länger das Auto lädt, desto mehr Energie wird dafür verbraucht. Weitere Verluste entstehen beispielsweise durch elektrische Leitungen sowie durch das Heizen oder Kühlen der Batterie.
Wie hoch sind die Ladeverluste tatsächlich?
In einer im August 2026 veröffentlichten Untersuchung des ADAC wurden fünf aktuelle Elektroautos unter unterschiedlichen Bedingungen geladen. Dabei zeigten sich deutliche Unterschiede zwischen der Haushaltssteckdose und einer Wallbox.
| Fahrzeug | Steckdose (2,3 kW) | Wallbox (11 kW) |
| Mercedes CLA 350 EQ | 24,2 % | 6,9 % |
| Renault 5 E-Tech | 13,7 % | 5,1 % |
| Tesla Model Y | 12,7 % | 6,1 % |
| Volvo EX30 | 14,2 % | 7,0 % |
| VW ID.7 | 15,3 % | 6,9 % |
Quelle: ADAC, August 2026. Gemessene Ladeverluste unter standardisierten Testbedingungen.
Besonders auffällig ist der Mercedes CLA, bei dem an der Haushaltssteckdose fast ein Viertel der aufgenommenen Energie verloren geht. An der Wallbox sinkt der Verlust dagegen auf unter sieben Prozent. Auch bei den übrigen Fahrzeugen schneidet die Wallbox deutlich besser ab.
So viel Geld kosten Ladeverluste im Alltag
Was zunächst nach wenigen Prozentpunkten klingt, kann sich über ein Jahr durchaus bemerkbar machen. Angenommen, ein Elektroauto benötigt jährlich 2.700 kWh Energie für die zurückgelegten Kilometer. Bei einem Strompreis von 35 Cent pro Kilowattstunde ergeben sich abhängig von den Ladeverlusten folgende Kosten:
| Ladeverlust | Tatsächlicher Strombezug | Jährliche Stromkosten |
| 5 % | 2.842 kWh | 995 € |
| 10 % | 3.000 kWh | 1.050 € |
| 15 % | 3.176 kWh | 1.112 € |
| 20 % | 3.375 kWh | 1.181 € |
Eigene Beispielrechnung auf Basis von 2.700 kWh Energiebedarf im Akku pro Jahr. Die Werte sind gerundet.
Zwischen fünf und 20 Prozent Ladeverlust liegen in diesem Beispiel rund 186 Euro jährlich. Gerade für Vielfahrer lohnt es sich deshalb, auf einen möglichst effizienten Ladevorgang zu achten.
Ist Schnellladen effizienter als Laden zu Hause?
Beim Schnellladen mit Gleichstrom erfolgt die Umwandlung bereits innerhalb der Ladesäule. Dadurch entfallen die entsprechenden Verluste im On-Board-Ladegerät des Autos. Allerdings muss die Batterie bei hohen Ladeleistungen häufig zusätzlich beheizt oder gekühlt werden.
Der ADAC ermittelte beim DC-Laden Energieverluste von insgesamt fünf bis 15 Prozent. Die Umwandlungsverluste der Schnellladesäule lagen durchschnittlich bei drei Prozent. Besonders bei niedrigen Temperaturen können zusätzliche Verluste durch das Aufheizen der Batterie entstehen.
Das bedeutet allerdings nicht, dass Schnellladen grundsätzlich günstiger ist. Die Strompreise an öffentlichen Schnellladesäulen liegen häufig deutlich über den Tarifen für Haushaltsstrom. Selbst ein effizienterer Ladevorgang kann diesen Preisunterschied meist nicht ausgleichen.
Wie lassen sich Ladeverluste reduzieren?
Wer sein Elektroauto regelmäßig lädt, kann mit einigen Maßnahmen unnötige Energieverluste vermeiden.
- Wallbox statt Haushaltssteckdose: Eine fachgerecht installierte Wallbox lädt nicht nur schneller und sicherer, sondern in der Regel auch deutlich effizienter.
- Ausreichend hohe Ladeleistung nutzen: Beim AC-Laden reduziert eine höhere Ladeleistung häufig die Verluste, weil die Fahrzeugelektronik kürzer aktiv bleiben muss.
- Im Winter nach der Fahrt laden: Eine bereits warme Batterie benötigt unter Umständen weniger zusätzliche Energie zur Temperierung.
- Batterie vor dem Schnellladen vorkonditionieren: Das kann die Ladegeschwindigkeit deutlich verbessern. Allerdings verbraucht auch das Vorwärmen während der Fahrt Energie.
- Stromverbrauch richtig messen: Wer die tatsächlichen Ladekosten ermitteln möchte, sollte die bezogene Energie am Stromzähler oder an der Ladestation berücksichtigen, statt sich ausschließlich auf die Verbrauchsanzeige im Fahrzeug zu verlassen.
Auch das Laden mit selbst erzeugtem Solarstrom kann sich finanziell lohnen. Zwar entstehen bei einer reduzierten Ladeleistung oft höhere prozentuale Verluste, dafür ist der selbst produzierte Strom unter Berücksichtigung der entgangenen Einspeisevergütung häufig günstiger als Netzstrom.
Fazit: Die Wallbox ist beim Laden meist die effizienteste Lösung
Ladeverluste gehören beim Elektroauto zum Alltag und lassen sich technisch nicht vollständig vermeiden. Wie hoch sie ausfallen, hängt jedoch stark von der verwendeten Lademöglichkeit ab. Die aktuellen ADAC-Messungen zeigen, dass beim Laden an einer 11-kW-Wallbox häufig nur fünf bis sieben Prozent der Energie verloren gehen, während die Verluste an der Haushaltssteckdose erheblich höher liegen.
Wer regelmäßig zu Hause lädt, profitiert deshalb mehrfach von einer Wallbox. Neben kürzeren Ladezeiten und höherer Sicherheit lassen sich langfristig auch Stromkosten sparen. Entscheidend für die tatsächlichen Kosten eines Elektroautos ist schließlich nicht nur der Verbrauch während der Fahrt, sondern auch die Energiemenge, die dafür aus dem Stromnetz bezogen werden muss.
Elektroauto
Über den Autor
Fabian Schwarzenbach
Fabian Schwarzenbach ist Journalist, Podcaster und Autor bei Sparneuwagen.de. Seine Schwerpunkte sind Elektromobilität, neue Modelle, Fahrzeugtechnik und Digitalisierung. Bekannt ist er außerdem als Moderator des Apple-Podcasts „Apfelplausch“.Jetzt leasen!
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