News
VW-Krise: Aufspaltungspläne versetzen Konzern in Aufruhr

-
- VW prüft laut einem Medienbericht weitreichende Änderungen an seiner Konzernstruktur.Demnach soll unter anderem erwogen werden, die Kernmarke Volkswagen sowie die Komponentensparte in eigenständige Gesellschaften auszugliedern.
- Eine solche Neuordnung könnte nach Einschätzung von Beobachtern auch Auswirkungen auf das sogenannte VW-Gesetz haben, das dem Land Niedersachsen besondere Mitspracherechte sichert.
Die Krise bei VW sorgt für mächtig Wirbel im Konzern und könnte dem Wolfsburger Autoriesen die einschneidendsten Veränderungen seit Dekaden bescheren. Nicht nur könnten bis zu 100.000 Jobs und mehrere Werke verloren gehen, auch eine Art Aufspaltung des Gesamtkonzerns scheint denkbar. Wie das Manager Magazin unter Berufung auf Unternehmenskreise berichtet, verfolgt Konzernchef Oliver Blume mit den Überlegungen das Ziel, den Autobauer im Zuge der laufenden Transformation effizienter aufzustellen. Parallel laufen bereits Programme zum Stellenabbau sowie zur Reduzierung von Produktionskapazitäten.
Konflikte mit dem Gesetz?
Das seit 1960 geltende VW-Gesetz räumt Niedersachsen als Eigentümer von 20 Prozent der Volkswagen-Aktien eine Sperrminorität ein. So erfordern bestimmte Beschlüsse eine Mehrheit von vier Fünfteln der Stimmen, während für die Errichtung oder Verlagerung von Produktionsstätten eine Zweidrittelmehrheit im Aufsichtsrat notwendig ist. Diese Regelungen sind zusätzlich in der Satzung des Unternehmens verankert.
Nach Einschätzung von Finanz- und Rechtsexperten könnte eine Ausgliederung der Kernmarke Volkswagen den Handlungsspielraum des Konzerns erweitern und zugleich die Grenzen des VW-Gesetzes ausloten. Ob ein solcher Schritt tatsächlich umgesetzt wird, ist jedoch offen.
Gewerkschaften und Betriebsrat laufen Sturm gegen Pläne
Gegen entsprechende Überlegungen regt sich bereits Widerstand. Vertreter der IG Metall und des Betriebsrats warnten vor Eingriffen in das VW-Gesetz und die Mitbestimmung. Sie bezeichneten mögliche Änderungen als Angriff auf die Beschäftigtenrechte und die deutschen Standorte.
Hintergrund der Debatte ist auch die wirtschaftliche Entwicklung des Konzerns. Der Volkswagen-Aktienkurs bewegt sich auf dem niedrigsten Niveau seit vielen Jahren, während Investoren zunehmend auf eine grundlegende Neuausrichtung drängen. Ulrich Hocker, Präsident der Deutschen Schutzgemeinschaft für Wertpapierbesitz, sprach von einer im internationalen Vergleich außergewöhnlich starken Mitbestimmung und forderte tiefgreifende Veränderungen, um die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens langfristig zu sichern.
Das Land Niedersachsen lehnt eine Schwächung seiner Mitspracherechte jedoch ab. Ministerpräsident Olaf Lies erklärte, das Bundesland werde keiner Maßnahme zustimmen, die die Mitbestimmung einschränke. Stattdessen setzt Niedersachsen auf neue Produktionsperspektiven für die deutschen Werke, etwa durch die Fertigung von in China entwickelten Volkswagen-Modellen – ein Vorschlag, den auch Konzernchef Blume bereits ins Gespräch gebracht hatte.
Unter Analysten werden die möglichen Folgen unterschiedlich bewertet. Die UBS rechnet damit, dass Volkswagen im Zuge der laufenden Restrukturierung seine Gewinnprognose anpassen könnte. Analysten der Citigroup sehen dagegen Potenzial für eine höhere Unternehmensbewertung, falls der Konzern die Kernmarke ausgliedert und sich stärker als Holding organisiert. Sie verweisen darauf, dass die Beteiligungen an Traton und Porsche nach ihren Berechnungen bereits einen höheren Wert besitzen als die derzeitige Börsenbewertung des gesamten Volkswagen-Konzerns.
VW