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Trübe Stimmung bei Audi: Grottige Quartalszahlen und Chef Döllner weiter im Kreuzfeuer

    • Audi hat ein verheerendes drittes Quartal hinter sich.
    • Fast wäre die VW-Tochter sogar in die Verlustzone gerauscht.
    • Zudem reißt die scharfe Kritik an Audi-Chef Gernot Döllner nach seinem Auftritt im US-Wahlkampf bei Präsident Trump nicht ab.

Der Autobauer Audi ist im dritten Quartal 2026 nur knapp einem Verlust entgangen. Die Volkswagen-Tochter erwirtschaftete zwischen Juli und September einen Nettogewinn von lediglich 95 Millionen Euro. Im Vorjahreszeitraum hatte das Unternehmen noch 718 Millionen Euro verdient. Damit brach der Gewinn um rund 87 Prozent ein. Angesichts der schwierigen Geschäftsentwicklung senkte Audi seine Prognose für das Gesamtjahr und kündigte weitere Sparmaßnahmen an.

Besonders die schwache Nachfrage in China, zunehmender Wettbewerbsdruck und höhere Kosten belasten den Ingolstädter Hersteller. Gleichzeitig sorgt ein gemeinsamer öffentlicher Auftritt von Audi-Chef Gernot Döllner mit US-Präsident Donald Trump für Kritik.

China-Geschäft und US-Zölle belasten Audi

In den ersten neun Monaten des Jahres erzielte der Audi-Konzern, zu dem auch Lamborghini, Bentley und Ducati gehören, einen Gewinn von rund 1,22 Milliarden Euro. Der Umsatz lag bei etwa 42 Milliarden Euro. Beide Kennzahlen gingen gegenüber dem Vorjahreszeitraum deutlich zurück.

Als wesentliche Ursache nennt Audi den Absatzeinbruch auf dem chinesischen Markt. Besonders Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor verlieren dort an Nachfrage. Gleichzeitig wächst der Wettbewerbsdruck durch chinesische Hersteller, die zunehmend auch auf den europäischen Markt drängen.

Weitere Belastungen ergeben sich aus den gestiegenen Energiekosten infolge des Nahostkonflikts sowie aus den US-Importzöllen. Anders als einige Wettbewerber verfügt Audi bislang über kein eigenes Produktionswerk in den Vereinigten Staaten. Hinzu kommen Modellwechsel bei wichtigen Baureihen.

Finanzvorstand Jürgen Rittersberger bezeichnete die wirtschaftliche Lage als ernst. Die bisherigen Maßnahmen zur Kostensenkung zeigten zwar Wirkung, müssten angesichts des zunehmenden Wettbewerbsdrucks aber verstärkt werden.

Audi will deshalb die Kosten weiter reduzieren, interne Strukturen vereinfachen und die Effizienz steigern. Für das vierte Quartal erwartet das Unternehmen wieder eine bessere Geschäftsentwicklung.

Weitere Einsparungen an deutschen Standorten möglich

Welche konkreten Auswirkungen der verschärfte Sparkurs auf die deutschen Werke haben wird, ließ Audi zunächst offen. Das Unternehmen verwies auf die im vergangenen Jahr geschlossene Zukunftsvereinbarung, die bereits den Abbau mehrerer Tausend Arbeitsplätze in Deutschland vorsieht.

Zusätzliche Maßnahmen sollen gemeinsam mit dem Gesamtbetriebsrat entwickelt werden. Ziel sei es nach Unternehmensangaben, die Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern und die Beschäftigung langfristig abzusichern.

Anfang Oktober hatte Audi angekündigt, eine sogenannte Schlechtwetterklausel aus einer Vereinbarung von 2019 anzuwenden. Diese verpflichtet Unternehmensführung und Betriebsrat zu Verhandlungen über weitere Sparmaßnahmen, wenn sich wesentliche wirtschaftliche Rahmenbedingungen erheblich verschlechtern.

Im Zusammenhang mit den laufenden Gesprächen steht auch die Zukunft des Audi-Werks Neckarsulm zur Diskussion. Konkrete Entscheidungen über mögliche zusätzliche Einschnitte wurden bislang nicht bekannt gegeben.

Geplantes US-Werk sorgt für politische Kontroverse

Parallel zu den wirtschaftlichen Schwierigkeiten arbeitet Audi an einer stärkeren Präsenz in den Vereinigten Staaten. Der Autobauer plant den Aufbau eines Produktionsstandorts im Bundesstaat Georgia.

Die Ankündigung des Projekts hat allerdings eine politische Kontroverse ausgelöst. Audi-Chef Gernot Döllner war am vergangenen Wochenende bei einer Wahlkampfveranstaltung gemeinsam mit US-Präsident Donald Trump aufgetreten.

Trump stellte die geplante Investition öffentlich vor und holte Döllner anschließend auf die Bühne. Der Audi-Chef bedankte sich dort für die Unterstützung des Präsidenten.

Der Auftritt wenige Tage vor den US-Zwischenwahlen am 3. November löste erhebliche Kritik aus. Döllner wird vorgeworfen, mit seiner Teilnahme gegen unternehmensinterne Vorgaben zur politischen Neutralität verstoßen zu haben. Vereinzelt wurden auch Rücktrittsforderungen laut.

Döllner verteidigt gemeinsamen Auftritt mit Trump

Der Audi-Chef wies die Kritik zurück und begründete seine Teilnahme mit den wirtschaftlichen Interessen des Unternehmens. Im Rahmen der Verhandlungen über das geplante Werk sei Audi gebeten worden, die Investitionspläne gemeinsam mit dem US-Präsidenten öffentlich vorzustellen.

Eine solche Einladung abzulehnen, sei aus Respekt vor dem Amt des Präsidenten nicht angemessen gewesen, erklärte Döllner.

Finanzvorstand Rittersberger äußerte sich unterdessen zurückhaltend zu den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen des geplanten Werks. Für Georgia hätten unter anderem die vorhandene Infrastruktur, die Verfügbarkeit von Arbeitskräften und staatliche Fördermöglichkeiten gesprochen.

Zur möglichen Höhe der Fördermittel und zu etwaigen Auswirkungen auf die US-Zollbelastung machte Audi keine konkreten Angaben.

Aufsichtsrat befasst sich mit der Situation

Noch am Freitag soll sich der Audi-Aufsichtsrat zu einer außerplanmäßigen Sitzung treffen. Neben der angespannten wirtschaftlichen Lage dürften dabei auch das geplante US-Werk und der umstrittene Auftritt des Vorstandsvorsitzenden eine Rolle spielen.

Für Audi kommt die Kontroverse zu einem schwierigen Zeitpunkt. Der Hersteller muss seine Kosten senken, die Position auf dem chinesischen Markt stabilisieren und zugleich seine internationale Produktionsstrategie neu ausrichten. Die jüngsten Quartalszahlen erhöhen den Druck auf die Unternehmensführung, bei diesen Vorhaben rasch Fortschritte zu erzielen.


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Über den Autor

Roman van Genabith

Roman van Genabith ist Journalist und Autor bei Sparneuwagen.de. Seine Schwerpunkte liegen auf Elektromobilität, Automobilwirtschaft, Marktentwicklungen und Mobilitätspolitik. Dabei ordnet er aktuelle Entwicklungen auch anhand ihrer wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Hintergründe ein.

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