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Paukenschlag: VW kündigt fast alle Tarifverträge

VW-Werk in Wolfsburg, Schornsteine, Backstein
VW-Werk in Wolfsburg, Quelle: Akhil Simha, Unsplash
    • Der Konflikt zwischen Volkswagen und der Arbeitnehmerseite über weitere Sparmaßnahmen nimmt an Schärfe zu.
    • Der Autobauer hat einen Großteil seiner Haustarifverträge zum 31. Dezember 2026 gekündigt.
    • Nach Angaben der IG Metall betrifft dies zehn Vereinbarungen, darunter den wichtigen Manteltarifvertrag und den Vergütungstarifvertrag.

Nächste Eskalationsstufe bei VW: Der kriselnde Autobauer kündigt den Großteil seiner Tarifverträge. Volkswagen begründet den Schritt mit dem gestiegenen Kostendruck. Verschiedene tarifliche Regelungen müssten an die veränderten wirtschaftlichen Bedingungen angepasst werden. Marken-Personalvorstand Arne Meiswinkel verwies unter anderem auf den zunehmenden Preis- und Wettbewerbsdruck durch chinesische Hersteller. Mit der Kündigung wolle VW Raum für neue Verhandlungen schaffen.

Der Manteltarifvertrag regelt grundlegende Arbeitsbedingungen für mehr als 100.000 Beschäftigte in Deutschland, darunter Arbeitszeiten und Zulagen. Der VW-Haustarif besteht insgesamt aus 13 einzelnen Verträgen. Nicht gekündigt wurde der Zukunftstarifvertrag von 2024 mit der darin vereinbarten Beschäftigungssicherung bis Ende 2030.

IG Metall und Betriebsrat kündigen Widerstand an

Die Arbeitnehmervertreter reagierten scharf. Niedersachsens IG-Metall-Chef Thorsten Gröger bezeichnete die Kündigungen laut Medienberichten als „übles Foul“ und warf Volkswagen vor, erneut Einschnitte bei den Beschäftigten durchsetzen zu wollen. Betriebsratschefin Daniela Cavallo rechnet mit einer heftigen Auseinandersetzung zum Jahreswechsel.

Besonders relevant ist die Kündigung des Vergütungstarifvertrags. Mit dessen Auslaufen endet zum Jahreswechsel die Friedenspflicht. Damit wären ab Januar 2027 grundsätzlich auch Arbeitskampfmaßnahmen möglich.

Dem Schritt war ein Überprüfungsgespräch zwischen Volkswagen, IG Metall und Betriebsrat vorausgegangen. Die Arbeitnehmerseite wollte dabei klären, ob der Konzern weiterhin zu den Zusagen aus dem Zukunftstarifvertrag von 2024 steht. Das Management hält die damals vereinbarten Einsparungen angesichts der aktuellen wirtschaftlichen Entwicklung dagegen für nicht mehr ausreichend.

Weitere 50.000 Stellen könnten wegfallen

Der Tarifkompromiss von 2024 sieht bereits den Abbau von 35.000 Arbeitsplätzen bei Volkswagen in Deutschland bis 2030 vor. Gleichzeitig wurden Boni und Zulagen reduziert sowie Lohnerhöhungen ausgesetzt. Im Gegenzug verzichtete Volkswagen auf betriebsbedingte Kündigungen und Werksschließungen und sagte Investitionen sowie neue Produkte für die deutschen Standorte zu.

Inzwischen plant der Konzern einen deutlich weitergehenden Umbau. Weltweit sollen in den kommenden Jahren zusätzlich rund 50.000 Stellen entfallen, wobei etwa die Hälfte des Abbaus deutsche Standorte betreffen könnte. Die konkreten Maßnahmen müssen allerdings noch mit der Arbeitnehmerseite ausgehandelt werden.

Gleichzeitig bleibt die langfristige Zukunft mehrerer Werke offen. Dazu gehören die VW-Standorte Emden, Hannover und Zwickau sowie das Audi-Werk in Neckarsulm. Für diese Standorte fehlen über die Jahre 2031 bis 2034 hinaus bislang langfristige Produktionsperspektiven.


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Über den Autor

Roman van Genabith

Roman van Genabith ist Journalist und Autor bei Sparneuwagen.de. Seine Schwerpunkte liegen auf Elektromobilität, Automobilwirtschaft, Marktentwicklungen und Mobilitätspolitik. Dabei ordnet er aktuelle Entwicklungen auch anhand ihrer wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Hintergründe ein.