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Mercedes-Werk Ludwigsfelde: Verkauf an Panzerschmiede könnte noch scheitern

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Mercedes Logo; Quelle: Jesper Brouwers/unsplash
    • Hat das Mercedes-Werk in Ludwigsfelde eine Zukunft?
    • Der Verkauf an den Panzerbauer KNDS schien schon so gut wie eingetütet.
    • Nun steht das ganze Vorhaben und damit die rund 1.800 Arbeitsplätze wieder auf der Kippe.

Die Zukunft des Mercedes-Benz-Werks in Ludwigsfelde bleibt ungewiss. Nach Informationen des Handelsblatts sind sich Mercedes und der Rüstungskonzern KNDS über eine mögliche Übernahme oder Nutzung von Teilen der Fabrik grundsätzlich weitgehend einig. Ob es tatsächlich zu einem Geschäft kommt, hängt jedoch maßgeblich von einem geplanten Milliardenauftrag der Bundeswehr ab.

Bestellt die Bundeswehr zu wenige Panzer?

Dabei geht es um das Beschaffungsprojekt „Arminius“, dessen Kern eine große Bestellung von Boxer-Radpanzern ist. KNDS hatte auf deutlich mehr als 3.000 Fahrzeuge gehofft. Verbindlich beschaffen könnte die Bundeswehr zunächst allerdings lediglich rund 1.500 Boxer im Gesamtwert von etwa 25 Milliarden Euro. Weitere Bestellungen sollen über Rahmenverträge möglich sein. Je nach gewählter Option könnte das Gesamtvolumen später auf etwa 3.000 bis 5.500 Fahrzeuge steigen.

Für KNDS ist die Größenordnung entscheidend. Fallen die Bestellungen geringer aus, benötigt das Unternehmen möglicherweise die zusätzlichen Produktionskapazitäten in Ludwigsfelde nicht. KNDS erklärte, die Industrie habe ein Angebot für „Arminius“ vorgelegt und befinde sich derzeit in Gesprächen mit dem Kunden.

Mercedes hat es eilig

Für Mercedes steigt unterdessen der Zeitdruck. Im Werk Ludwigsfelde arbeiten rund 1.800 Menschen. Dort entstehen offene Varianten des Sprinter, etwa als Basis für Pritschenwagen, Reisemobile und Krankenwagen. Die Beschäftigungsgarantie läuft Ende 2029 aus. Die Produktion basiert zudem auf einer auslaufenden Fahrzeugarchitektur, während Mercedes andere Van-Standorte bereits für die nächste Plattform umrüstet. Die offenen Sprinter-Varianten sollen langfristig nach Polen verlagert werden.

Ein Verkauf an KNDS gilt deshalb intern als Möglichkeit, möglichst viele Arbeitsplätze in Ludwigsfelde zu erhalten. Denkbar wäre auch, dass der Rüstungskonzern zunächst Teile des Werks mietet und Beschäftigte übernimmt. KNDS sucht zusätzliche Produktionsstandorte mit eingespielten Belegschaften, um seine Kapazitäten für mögliche Großaufträge schneller auszubauen.

Mercedes erklärte, Ziel sei eine „zukunftsfähige Lösung“ für Ludwigsfelde, bei der die Interessen der Beschäftigten bestmöglich berücksichtigt werden. Sollte der Bundeswehr-Auftrag nicht das erwartete Volumen erreichen und KNDS deshalb abspringen, müsste Mercedes nach einer anderen Lösung für den Standort suchen.

Der Mercedes-Standort in Ludwigsfelde ist nicht das einzige Automobilwerk, das von der Schließung bedroht ist. Alle großen deutschen Autobauer stecken in der Krise und suchen nach Einsparpotenzialen. Die Übernahme der Standorte durch Rüstungsfirmen schien mit der ausgerufenen Zeitenwende in der Verteidigungspolitik zunächst wie eine ideale Lösung, bei der es nur Gewinner gibt. Dass eine solche Umnutzung von Standorten und die Übernahme der Beschäftigten kein Selbstläufer ist, zeigt sich am Fall Ludwigsfelde einmal mehr. Auch beim VW-Werk Osnabrück gibt es noch allerhand offene Fragen zu klären und noch bleibt völlig ungewiss, ob Standort und Arbeitsplätze zu bewahren sind.


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Über den Autor

Roman van Genabith

Roman van Genabith ist Journalist und Autor bei Sparneuwagen.de. Seine Schwerpunkte liegen auf Elektromobilität, Automobilwirtschaft, Marktentwicklungen und Mobilitätspolitik. Dabei ordnet er aktuelle Entwicklungen auch anhand ihrer wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Hintergründe ein.