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Elektroauto-Boom in Deutschland: Neuzulassungen steigen im Oktober um fast 80 Prozent

E-Auto beim Laden an einer öffentlichen Ladestation
E-Auto beim Laden an einer öffentlichen Ladestation; Bild: YRKA PICTURED/Unsplash
    • Elektroautos sind in Deutschland weiter stark gefragt.
    • Die starken Stromer-Verkäufe des Vormonats setzten sich mit einer neuerlichen leichten Steigerung fort.
    • Deutsche Hersteller können von diesem Boom aber kaum profitieren.

Die Nachfrage nach Elektroautos hat dem deutschen Automarkt im Oktober 2026 zu einem leichten Wachstum verholfen. Nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) wurden insgesamt 254.492 neue Pkw zugelassen. Das entspricht einem Anstieg von 1,7 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Während die Zulassungen rein elektrischer Fahrzeuge um nahezu 80 Prozent zulegten, gingen die Verkäufe von Benzinern und Dieselfahrzeugen deutlich zurück. Als wesentliche Ursachen gelten die staatliche Elektroautoförderung und die hohen Kraftstoffpreise.

Insgesamt wurden im Oktober 94.086 batterieelektrische Pkw neu zugelassen. Damit verfügten rund 37 Prozent aller Neuwagen ausschließlich über einen Elektroantrieb. Mehr als jeder dritte neu zugelassene Pkw war somit ein reines Elektroauto.

Benziner und Diesel weniger gefragt

Der starke Zuwachs bei Elektroautos geht mit einem erheblichen Rückgang der klassischen Verbrenner einher. Die Neuzulassungen von Benzinern sanken im Vergleich zum Oktober 2025 um 40,5 Prozent. Bei Dieselfahrzeugen betrug der Rückgang 21,6 Prozent.

Benziner erreichten damit nur noch einen Marktanteil von rund 15 Prozent, Dieselfahrzeuge kamen auf etwa neun Prozent. Insgesamt wurden rund 62.400 Pkw mit reinem Verbrennungsmotor neu zugelassen.

Auch Hybridfahrzeuge verzeichneten leichte Rückgänge. Modelle ohne externe Lademöglichkeit erreichten einen Marktanteil von knapp 27 Prozent. Weitere elf Prozent entfielen auf Plug-in-Hybride, deren Batterien auch über eine externe Stromquelle geladen werden können.

Zusammengenommen kamen die beiden Hybridkategorien damit auf einen Marktanteil von etwa 38 Prozent und lagen weiterhin knapp vor den rein elektrischen Fahrzeugen.

Staatliche Förderung treibt die Verkäufe

Nach Einschätzung der Unternehmensberatung EY ist der aktuelle Aufschwung bei Elektroautos wesentlich auf die staatliche Kaufprämie zurückzuführen.

EY-Automobilexperte Constantin Gall erklärte bei n-tv.de, dass die Förderung den Markt derzeit maßgeblich antreibe. Da die verfügbaren Mittel noch nicht ausgeschöpft seien, dürfte sich die Entwicklung zunächst fortsetzen.

Allerdings warnt Gall vor einem erneuten Nachfrageeinbruch, sobald die staatliche Unterstützung endet. Als Vergleich verweist er auf das Jahr 2024, als die Elektroautozulassungen nach dem überraschenden Ende des damaligen Umweltbonus im Dezember 2023 deutlich zurückgingen.

Die aktuelle Entwicklung könnte demnach zumindest teilweise auf vorgezogenen Kaufentscheidungen beruhen. Wie nachhaltig der Nachfrageanstieg ist, dürfte sich erst nach dem Auslaufen der Förderung zeigen.

Importmarken profitieren besonders stark

Von der steigenden Nachfrage nach Elektroautos profitieren ausländische Hersteller überdurchschnittlich. Nach Angaben des Importeursverbandes VDIK legten die internationalen Automarken im Oktober um 8,5 Prozent zu und wuchsen damit deutlich stärker als der Gesamtmarkt.

VDIK-Präsidentin Imelda Labbé verwies auf die positive Entwicklung der internationalen Hersteller. Inzwischen entfalle etwa die Hälfte aller neu zugelassenen Elektroautos in Deutschland auf Importmarken.

Besonders stark konnten erneut chinesische Automobilhersteller zulegen. Nach Berechnungen von EY stieg ihr Marktanteil innerhalb eines Jahres von 5,2 auf 8,4 Prozent.

Die deutschen Hersteller verlieren dagegen nach Einschätzung der Unternehmensberatung seit mehreren Monaten Marktanteile. Obwohl auch sie vom wachsenden Elektroautomarkt profitieren, fällt ihr Wachstum geringer aus als das vieler internationaler Wettbewerber.

Privatkunden treiben Nachfrage nach Neuwagen

Auffällig ist auch die unterschiedliche Entwicklung bei privaten und gewerblichen Fahrzeugzulassungen.

Während Privatkunden im Oktober gut 20 Prozent mehr Neuwagen anmeldeten als im Vorjahresmonat, gingen die gewerblichen Neuzulassungen um mehr als acht Prozent zurück.

Damit wird das aktuelle Marktwachstum vor allem von privaten Käufern getragen. Für deutsche Premiumhersteller wie BMW und Audi ist die schwächere Nachfrage gewerblicher Kunden besonders relevant, da Firmenwagen und Flottenkunden traditionell einen wichtigen Teil ihres Geschäfts ausmachen.

Die staatliche Elektroautoförderung dürfte insbesondere bei privaten Kaufentscheidungen eine Rolle spielen. Hinzu kommen die gestiegenen Benzin- und Dieselpreise, die den Betrieb eines Elektroautos für manche Verbraucher wirtschaftlich attraktiver machen.

Autoproduktion in Deutschland sinkt weiter

Während sich die Neuzulassungen insgesamt positiv entwickelten, ging die Fahrzeugproduktion in Deutschland zurück.

Nach Angaben des Verbandes der Automobilindustrie (VDA) wurden im Oktober rund 326.300 Pkw in deutschen Werken gefertigt. Das entspricht einem Minus von sieben Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat.

In den ersten zehn Monaten des Jahres belief sich die Produktion auf insgesamt 3,37 Millionen Fahrzeuge. Damit lag sie vier Prozent unter dem entsprechenden Vorjahreswert.

Im Vergleich zum Produktionsniveau vor der Corona-Pandemie beträgt der Rückstand weiterhin rund 15 Prozent.

Die Zahlen verdeutlichen die unterschiedliche Entwicklung von Absatzmarkt und heimischer Automobilproduktion. Während die Nachfrage nach Elektroautos in Deutschland kräftig steigt, profitieren davon zunehmend internationale Anbieter. Gleichzeitig bleibt die Auslastung der deutschen Automobilwerke hinter früheren Jahren zurück.

Für die weitere Marktentwicklung wird entscheidend sein, wie lange die staatliche Elektroautoförderung fortgesetzt werden kann. Ein Auslaufen der Kaufprämien könnte nach Einschätzung von Branchenexperten zu einem erneuten Rückgang der Elektroautozulassungen führen.


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Über den Autor

Roman van Genabith

Roman van Genabith ist Journalist und Autor bei Sparneuwagen.de. Seine Schwerpunkte liegen auf Elektromobilität, Automobilwirtschaft, Marktentwicklungen und Mobilitätspolitik. Dabei ordnet er aktuelle Entwicklungen auch anhand ihrer wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Hintergründe ein.

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