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836 neue Ladepunkte: Deutschland startet Aufbau des E-Lkw-Ladenetzes

LKW, Lastwagen auf Parkplatz von oben
Symbolbild LKW, Quelle: Unsplash

Deutschland macht beim Aufbau einer Schnellladeinfrastruktur für schwere Elektro-Lkw den nächsten konkreten Schritt. Die Autobahn GmbH hat die ersten Aufträge für das bundesweite E-Lkw-Schnellladenetz vergeben. An zunächst 124 unbewirtschafteten Rastanlagen sollen insgesamt 836 Ladepunkte entstehen.

Besonders wichtig für den Fernverkehr: 447 dieser Ladepunkte werden als sogenannte Megawatt Charging System (MCS)-Ladepunkte ausgeführt. Damit soll auch das schnelle Laden schwerer Elektro-Lkw auf längeren Strecken ermöglicht werden. Das Bundesverkehrsministerium hat die Umsetzung am 15. September 2026 offiziell bekanntgegeben.

124 Rastanlagen werden für E-Lkw ausgebaut

Die ersten Standorte befinden sich an unbewirtschafteten Rastanlagen entlang der deutschen Autobahnen. Dort sollen insgesamt 836 Ladepunkte für den Straßengüterverkehr entstehen.

Davon entfallen:

  • 447 Ladepunkte auf MCS-Megawatt-Lader
  • weitere 389 Ladepunkte auf CCS-Ladepunkte

Die Maßnahme ist Teil eines deutlich größeren Ausbauprogramms. Insgesamt sollen bundesweit rund 1.800 MCS-Ladepunkte und 2.400 CCS-Ladepunkte für schwere Nutzfahrzeuge entstehen.

Damit erhält die Elektromobilität im Schwerlastverkehr erstmals eine groß angelegte öffentliche Ladeinfrastruktur entlang des Autobahnnetzes.

Vom Plan zur konkreten Umsetzung

Die Nachricht ist vor allem deshalb relevant, weil der Ausbau nun nicht mehr nur angekündigt oder diskutiert wird. Die Autobahn GmbH hat die entsprechenden Aufträge für die erste Ausbaustufe vergeben.

Genau an diesem Punkt knüpft die aktuelle Entwicklung an eine frühere Meldung an. Ende August haben wir über die Kritik des Verbands der Automobilindustrie (VDA) berichtet. Der Verband hatte damals deutlich mehr Megawatt-Ladepunkte gefordert und vor Engpässen beim Ausbau gewarnt.

Der damalige Beitrag beschäftigte sich damit, wie groß der Bedarf aus Sicht der Branche ist. Jetzt geht es um den nächsten Schritt: Die ersten Standorte werden tatsächlich umgesetzt.

Rund 1.800 MCS-Ladepunkte geplant

Für Elektro-Lkw ist insbesondere das MCS-System von Bedeutung. Während CCS bereits heute für viele Elektrofahrzeuge eingesetzt wird, wurde MCS speziell auf die hohen Ladeleistungen und die großen Batterien schwerer Nutzfahrzeuge ausgelegt.

Der Bund plant deshalb langfristig rund 1.800 MCS-Ladepunkte. Zusammen mit den vorgesehenen 2.400 CCS-Ladepunkten soll ein deutschlandweites Netz für elektrische Nutzfahrzeuge entstehen.

Für Speditionen ist eine solche Infrastruktur entscheidend. Ein Elektro-Lkw kann nur dann auch im Fernverkehr wirtschaftlich eingesetzt werden, wenn entlang der wichtigsten Routen ausreichend leistungsfähige Ladepunkte zur Verfügung stehen.

Warum Megawatt-Laden für Lkw so wichtig ist

Ein schwerer Elektro-Lkw benötigt wesentlich größere Energiemengen als ein Pkw. Gleichzeitig sollen die Fahrzeuge möglichst wenig Zeit mit Laden verbringen, weil jede zusätzliche Standzeit für Transportunternehmen Kosten verursacht.

Genau deshalb setzt die neue Infrastruktur auf MCS. Das System soll Ladeleistungen im Megawattbereich ermöglichen und damit deutlich höhere Ladeleistungen bereitstellen als klassische Pkw-Ladesäulen.

Für den Fahrer bedeutet das perspektivisch: Der notwendige Ladestopp kann stärker mit den ohnehin vorgeschriebenen Ruhe- und Pausenzeiten kombiniert werden.

Der Ausbau kommt in mehreren Stufen

Mit den jetzt vergebenen Aufträgen ist das bundesweite Netz allerdings noch nicht fertig. Die 124 unbewirtschafteten Rastanlagen bilden lediglich die erste konkrete Ausbaustufe.

Nach Angaben des Bundesverkehrsministeriums ist auch der weitere Ausbau bereits vorbereitet. Für die bewirtschafteten Rastanlagen soll eine weitere Ausschreibung folgen.

Damit dürfte sich in den kommenden Jahren zunehmend zeigen, ob Deutschland den wachsenden Bedarf an Ladeinfrastruktur für schwere Elektrofahrzeuge tatsächlich rechtzeitig abdecken kann.

Auch für normale Autofahrer interessant

Auf den ersten Blick betrifft das Projekt vor allem Speditionen und Lkw-Fahrer. Der Ausbau ist jedoch auch für die allgemeine Elektromobilität relevant.

Denn leistungsfähige Netzanschlüsse, neue Ladeparks und der Ausbau der elektrischen Infrastruktur schaffen zusätzliche Kapazitäten entlang der Autobahnen. Gleichzeitig zeigt das Projekt, in welchem Umfang Deutschland seine Autobahninfrastruktur auf eine zunehmend elektrische Fahrzeugflotte vorbereitet.

Für den Pkw-Bereich ist das allerdings nicht gleichbedeutend mit neuen öffentlichen Pkw-Ladepunkten. Die nun geplanten Standorte richten sich ausdrücklich auf den Straßengüterverkehr.

Der entscheidende Schritt ist gemacht

Mit der Vergabe der ersten Aufträge wird aus dem geplanten E-Lkw-Ladenetz ein konkretes Infrastrukturprojekt. 124 Rastanlagen und 836 Ladepunkte bilden den ersten großen Baustein. Besonders die 447 geplanten MCS-Ladepunkte sind für den elektrischen Fernverkehr von Bedeutung.

Ob das Tempo ausreicht, wird sich allerdings erst in den kommenden Jahren zeigen. Der VDA hatte bereits zuvor einen deutlich größeren Bedarf an Megawatt-Ladepunkten bis 2030 formuliert. Der aktuelle Ausbau ist deshalb weniger ein Endpunkt als vielmehr der Start eines deutlich größeren Infrastrukturvorhabens.


Themen des Beitrags:
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