News
Mit 80 Ladestopps um die Welt: YouTuber plant Weltreise im Elektro-Truck

Das klingt nach einem Abenteuer, das normalerweise eher nach Diesel, Zusatztanks und Expeditionsmobil aussieht. Doch Berufskraftfahrer und YouTuber Tobias Wagner, besser bekannt als „Elektrotrucker“, will genau das Gegenteil beweisen. Er plant eine Weltumrundung mit einem rein batterieelektrischen Lkw. Zum Einsatz kommt ein speziell aufgebauter Mercedes eActros 600, mit dem Wagner rund 45.000 Kilometer durch mehr als 35 Länder fahren will. Besonders ambitioniert: Für die gesamte Tour sind nur 80 Ladevorgänge geplant.
Damit würde der eActros im Schnitt mehr als 560 Kilometer pro Akkuladung schaffen müssen. Das liegt sogar oberhalb der offiziellen Mercedes-Angabe von rund 500 Kilometern für den serienmäßigen eActros 600, wobei dieser Wert für einen voll beladenen 40-Tonnen-Sattelzug gilt. Für die Weltreise nutzt Wagner jedoch keine klassische Sattelzugmaschine, sondern ein speziell angepasstes Pritschenfahrzeug.
620 kWh Akku für die große Tour
Technisch ist der eActros 600 für solche Distanzen ungewöhnlich gut gerüstet. Drei LFP-Batterien mit jeweils 207 kWh brutto bringen zusammen rund 620 kWh Speicherkapazität. Geladen wird über CCS2-Anschlüsse, die Ladeleistung liegt bei bis zu 400 kW. Damit zählt der Elektro-Lkw zu den spannendsten Serienfahrzeugen im elektrischen Fernverkehr.
Ganz von der Stange ist das Fahrzeug für die Reise allerdings nicht. Mercedes und Wagner setzen auf einen Kompromiss aus Reichweite und Robustheit. Der Truck bekommt Hinterradantrieb, eine kleine Kabine und eine Wohnkabine auf der Pritsche. Zusätzlich hilft eine Luftfederung, die den Lkw auf Asphalt aerodynamisch absenken und auf schlechten Wegen anheben kann.
Start im Herbst 2026
Der Umbau ist noch nicht abgeschlossen. Wohnkabine, Einzelbereifung, Zusatzscheinwerfer und Folierung fehlen noch. Der Start der Reise ist für den Herbst 2026 geplant, unterwegs sein will Wagner etwa ein Jahr. Seine Botschaft ist klar: Er will zeigen, dass batterieelektrische Lkw nicht nur auf planbaren Routen funktionieren, sondern auch unter schwierigen Bedingungen und in Ländern mit weniger ausgebauter Ladeinfrastruktur.
Praxistest statt Laborwert
Die geplante Weltreise ist mehr als ein Social-Media-Abenteuer. Sie könnte zu einem der spannendsten Praxistests für elektrische Fernlaster werden. Denn während Hersteller oft mit Reichweiten, Ladeleistungen und Effizienzwerten werben, zeigt eine solche Tour, was im echten Leben möglich ist.
Wenn der Elektrotrucker seine Reise schafft, wäre das ein starkes Signal für den batterieelektrischen Fernverkehr und ein ziemlich großes Argument gegen die alte Angst, dass E-Lkw nur auf kurzen Strecken funktionieren.