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Ladekabel bald überflüssig? Neues kabelloses 11-kW-System startet auf der IAA

Wireless Charge
Wireless Charge; Bild von Limor Zellermayer auf unsplash

Einparken, aussteigen und das Elektroauto lädt ganz von selbst. Was beim Smartphone längst selbstverständlich ist, soll nun auch beim Auto deutlich einfacher werden. Electreon stellt auf der IAA Transportation 2026 in Hannover mit Lite DOT eine neue kabellose Ladelösung für Elektro-Pkw und leichte Nutzfahrzeuge vor. Bis zu 11 kW Ladeleistung sind möglich, damit bewegt sich das System auf dem Niveau einer klassischen privaten Wallbox.

Das Prinzip klingt zunächst erstaunlich simpel. Statt ein Ladekabel aus dem Kofferraum zu holen oder einen Stecker aus der Wallbox einzustecken, wird das Fahrzeug lediglich über einer Ladeplatte abgestellt. Das System erkennt das kompatible Elektroauto und startet den Ladevorgang automatisch. Gerade zu Hause, auf Firmenparkplätzen oder bei Fahrzeugflotten könnte das den Ladealltag deutlich komfortabler machen.

Kabellose Wallbox ohne große Bauarbeiten

Interessant ist vor allem die Installation. Die Ladeplatte von Lite DOT muss laut Electreon nicht aufwendig in den Boden eingelassen werden, sondern kann oberirdisch auf einem bestehenden Stellplatz montiert werden. Dazu kommt ein Wandmodul, das beispielsweise an der Garage oder draußen an einem Mast befestigt werden kann.

Damit dürfte sich der Aufwand deutlich von induktiven Systemen unterscheiden, bei denen größere Umbauten am Parkplatz notwendig sind. Die Technik soll sowohl in Garagen als auch im Freien funktionieren und Regen, Schnee sowie Temperaturen von minus 30 bis plus 50 Grad Celsius verkraften.

Mit maximal 11 kW ist Lite DOT kein Ersatz für einen Schnelllader. Das muss es aber auch nicht sein. Wer sein Auto nachts acht Stunden vor dem Haus abstellt oder während eines Arbeitstages auf einem Firmenparkplatz parkt, kann mit dieser Leistung problemlos große Energiemengen nachladen.

Ganz ohne Technik am Auto geht es nicht

Einen Haken gibt es allerdings: Nicht jedes Elektroauto kann automatisch auf die Ladeplatte fahren und Strom aufnehmen.

Am Fahrzeug wird ein spezieller Empfänger benötigt, der die Energie drahtlos von der Bodenplatte aufnimmt. Dieser kann laut Electreon entweder vom Unternehmen selbst oder künftig von Partnern aus der Autoindustrie bereitgestellt werden. Ohne entsprechende Fahrzeughardware bleibt also auch Lite DOT nur eine Ladeplatte auf dem Parkplatz.

Genau hier dürfte sich entscheiden, wie schnell kabelloses Laden tatsächlich im Alltag ankommt. Damit sich die Technik durchsetzt, müssen Fahrzeughersteller entsprechende Empfänger ab Werk integrieren oder zumindest eine unkomplizierte Nachrüstlösung anbieten.

Besonders interessant für Flotten und autonome Autos

Für Privatkunden bedeutet das System vor allem zusätzlichen Komfort. Bei Flotten könnte die Technik allerdings noch einen größeren Nutzen haben.

Transporter, Firmenwagen oder Carsharing-Fahrzeuge stehen regelmäßig auf festen Stellplätzen. Jede Parkpause könnte dadurch automatisch zu einer Ladepause werden, ohne dass Mitarbeiter Fahrzeuge anstöpseln und später wieder vom Strom trennen müssen.

Noch logischer wird das Konzept bei autonomen Fahrzeugen. Ein Robotaxi ohne Fahrer kann schließlich schlecht jemanden bitten, nach Feierabend das Ladekabel einzustecken. Electreon nennt deshalb ausdrücklich auch selbstfahrende Fahrzeuge als möglichen Einsatzbereich.

Dass kabelloses Laden längst mehr als ein Laborversuch ist, zeigt Electreon bereits mit anderen Projekten. Das Unternehmen arbeitet neben stationären Ladeplätzen auch an dynamischem Laden während der Fahrt. Auf einer französischen Autobahn wurde beispielsweise bereits eine drahtlose Ladeleistung von mehr als 200 kW an einem schweren Elektro-Lkw demonstriert.

Vom Smartphone-Prinzip zum Elektroauto

Mit der Vorstellung auf der IAA Transportation beginnt laut Electreon nun die Markteinführung von Lite DOT. Damit rückt kabelloses Laden zumindest einen weiteren Schritt in Richtung Alltag.

Das klassische Ladekabel wird deshalb nicht morgen verschwinden. Dafür fehlen aktuell noch kompatible Fahrzeuge und eine flächendeckende Infrastruktur. Der Ansatz zeigt aber ziemlich deutlich, wohin sich das Laden entwickeln könnte: Das Elektroauto steht auf seinem Parkplatz und lädt automatisch, ohne dass darüber überhaupt noch nachgedacht werden muss.

Und vielleicht wird genau das irgendwann der größte Fortschritt beim Laden sein, nicht noch einmal 100 kW mehr Spitzenleistung, sondern schlicht weniger Aufwand.


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