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Chinastress und Absatzschwäche: Bosch streicht hunderte Jobs in Deutschland

Bosch Parkhaus Stuttgart Autobahn
Bosch, Quelle: Jan Bottinger, Unsplash
    • Bosch stimmt ein in die Massenentlassungen in der Autobranche, die seit Monaten reihum im Gange sind.
    • Mehrere hundert Jobs sollen wegfallen.
    • Diese ist nicht die erste Kündigungswelle im Familienkonzern.

Der Technologiekonzern Bosch setzt seinen Stellenabbau in Deutschland fort. Am Standort Abstatt im Landkreis Heilbronn sollen bis Ende 2029 weitere 750 Arbeitsplätze wegfallen. Betroffen ist der Geschäftsbereich Vehicle Motion, der unter anderem Bremssysteme und Software für die Fahrzeugsteuerung entwickelt. Als Gründe nennt das Unternehmen die schwache Nachfrage in der Automobilindustrie und den zunehmenden Preiswettbewerb durch asiatische Zulieferer.

Die Stellenstreichungen sollen nach Unternehmensangaben möglichst sozialverträglich umgesetzt werden. Konkrete Einzelheiten zur Ausgestaltung des Personalabbaus wurden zunächst nicht genannt.

Wettbewerb bei Bremssystemen verschärft sich

Bosch begründet die Entscheidung laut Medienberichten mit den schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und dem Strukturwandel in der Automobilindustrie. Während die weltweite Fahrzeugproduktion stagniere, gehe die Nachfrage in Europa zurück. Gleichzeitig nähmen der Kosten- und Wettbewerbsdruck sowie die Anforderungen an die Entwicklungsgeschwindigkeit zu.

Besonders deutlich zeigen sich diese Veränderungen nach Angaben des Unternehmens bei modernen Bremssystemen. Automobilhersteller verlangen zunehmend kostengünstigere Lösungen, während neue Wettbewerber aus Asien mit niedrigeren Preisen auf den europäischen Markt drängen.

Auch die technologische Entwicklung verändert die Anforderungen an die Standorte. Bei sogenannten Brake-by-Wire-Systemen werden Bremsbefehle elektronisch übertragen, anstatt unmittelbar über eine mechanische oder hydraulische Verbindung zwischen Bremspedal und Radbremsen.

Nach Angaben von Bosch werden entsprechende Innovationen inzwischen häufig zunächst gemeinsam mit chinesischen Automobilherstellern entwickelt und auf deren Markt eingeführt. Die Entwicklungsarbeit findet dabei zunehmend in Zusammenarbeit mit den lokalen Bosch-Standorten statt.

Dadurch sinkt nach Darstellung des Konzerns der Bedarf an Entwicklungskapazitäten am deutschen Standort Abstatt.

Rund 5.300 Beschäftigte am Standort

In Abstatt arbeiten derzeit insgesamt etwa 5.300 Menschen. Der geplante Abbau von 750 Stellen entspricht damit rechnerisch rund 14 Prozent der dortigen Belegschaft.

Allerdings betrifft die Maßnahme nicht sämtliche Unternehmensbereiche am Standort. Die Kürzungen konzentrieren sich auf Vehicle Motion. Dieser Geschäftsbereich entwickelt und vertreibt unter anderem Bremssysteme, Software zur Steuerung der Fahrzeugbewegung, Insassenschutzsysteme und Sensorik.

Nicht betroffen sind nach Unternehmensangaben der Geschäftsbereich Cross-Domain Computing Solutions sowie die Tochtergesellschaft Bosch Engineering GmbH.

Cross-Domain Computing Solutions beschäftigt sich unter anderem mit der Entwicklung und Integration von Fahrzeugelektronik, Sensoren und Software. Bosch Engineering bietet Entwicklungsdienstleistungen für unterschiedliche Fahrzeug- und Mobilitätsanwendungen an.

Mehr als 23.000 Stellen in der Mobilitätssparte betroffen

Der angekündigte Personalabbau in Abstatt ist Teil eines umfassenderen Stellenabbaus bei Bosch. Besonders stark betroffen ist die Mobilitätssparte, die unter dem Strukturwandel der Automobilindustrie und der schwachen Nachfrage leidet.

Nach Angaben einer Unternehmenssprecherin sollen in diesem Bereich in Deutschland über unterschiedliche Zeiträume hinweg insgesamt mehr als 23.000 Arbeitsplätze wegfallen.

Bosch hatte bereits mehrfach weitere Stellenstreichungen angekündigt. Hintergrund sind unter anderem der Wandel zur Elektromobilität, veränderte Entwicklungsanforderungen sowie der zunehmende internationale Wettbewerb.

Insbesondere chinesische Zulieferer gewinnen an Bedeutung, da sie neue Technologien häufig zu niedrigeren Kosten anbieten können. Für etablierte europäische Anbieter erhöht sich dadurch der Druck, ihre Entwicklungs- und Produktionsstrukturen anzupassen.

Bosch wächst vor allem durch Übernahmen

Auch die jüngsten Geschäftszahlen zeigen die wirtschaftlichen Herausforderungen des Konzerns. Im ersten Halbjahr 2026 steigerte Bosch seinen Umsatz zwar um 3,6 Prozent auf 46,4 Milliarden Euro. Das Wachstum ging jedoch überwiegend auf Unternehmensübernahmen zurück.

Im vergangenen Jahr hatte Bosch das Heizungs-, Lüftungs- und Klimatisierungsgeschäft von Johnson Controls und Hitachi übernommen. Die zusätzlichen Umsätze aus diesen Geschäftsbereichen trugen wesentlich zur positiven Umsatzentwicklung bei.

Die operative Profitabilität entwickelte sich dagegen rückläufig. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern, das Bosch als operatives EBIT bezeichnet, sank im ersten Halbjahr von 2,3 Milliarden auf 2,2 Milliarden Euro.

Damit konnte der Konzern seine Ertragskraft trotz steigender Umsätze nicht verbessern.

Weitere Anpassungen in der Automobilsparte

Bosch steht damit vor der Herausforderung, seine traditionellen Geschäftsfelder an die veränderten Marktbedingungen anzupassen und gleichzeitig neue Technologien zu entwickeln.

Der Stellenabbau in Abstatt verdeutlicht, dass davon nicht nur klassische Produktionsarbeitsplätze betroffen sind. Auch Entwicklungsbereiche für moderne Fahrzeugtechnik geraten unter Druck, wenn Automobilhersteller verstärkt auf günstigere Zulieferer und Entwicklungsstandorte in ihren wichtigsten Absatzmärkten setzen.

Mit den angekündigten Kürzungen will Bosch seine Kostenstruktur im Bremsengeschäft anpassen. Für die betroffenen Beschäftigten soll der Personalabbau bis Ende 2029 umgesetzt werden.


Themen des Beitrags:
Bosch

Über den Autor

Roman van Genabith

Roman van Genabith ist Journalist und Autor bei Sparneuwagen.de. Seine Schwerpunkte liegen auf Elektromobilität, Automobilwirtschaft, Marktentwicklungen und Mobilitätspolitik. Dabei ordnet er aktuelle Entwicklungen auch anhand ihrer wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Hintergründe ein.

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