Ratgeber
Winterreifen unter 4 mm Profil: Noch erlaubt – aber wie sicher sind sie wirklich?

1,6 mm erlaubt und 4 mm empfohlen
Die gesetzliche Mindestprofiltiefe für Autoreifen liegt in Deutschland bei 1,6 Millimetern. Das gilt auch für Winterreifen. Der ADAC und andere Verkehrssicherheitsexperten empfehlen jedoch, Winterreifen bereits bei einer Restprofiltiefe von etwa 4 Millimetern auszutauschen.
Ein aktueller Verschleißtest des ADAC zeigt nun sehr anschaulich, warum zwischen der gesetzlichen Mindestgrenze und der empfohlenen Profiltiefe ein so großer Abstand liegt. Besonders zwischen 4 und 2 Millimetern nehmen wichtige Sicherheitsreserven auf nasser und verschneiter Fahrbahn deutlich ab.
Was der neue ADAC-Test untersucht hat
Für die Untersuchung wählte der ADAC fünf Winterreifen verschiedener Hersteller und Preisklassen aus. Die Reifen wurden mit einer speziellen Maschine kontrolliert auf 4 beziehungsweise 2 Millimeter Restprofil abgefahren und anschließend auf nasser sowie schneebedeckter Fahrbahn getestet.
Dabei mussten die Reifen unter anderem Brems-, Handling- und Aquaplaningtests absolvieren. Als Vergleich dienten die jeweiligen Reifen im Neuzustand.
Das Ergebnis zeigt ein recht einheitliches Muster: Bis zu einer Restprofiltiefe von 4 Millimetern verlieren die Reifen zwar bereits an Leistung, der Rückgang ist aus technischer Sicht nach Einschätzung des ADAC jedoch noch vertretbar. Zwischen 4 und 2 Millimetern fällt der Leistungsverlust wesentlich stärker aus.
Was bei 4 mm Restprofil passiert
Auch ein Winterreifen mit 4 Millimetern Profil erreicht nicht mehr in allen Disziplinen die Werte eines Neureifens. Besonders auf nasser Fahrbahn sind bereits Unterschiede messbar.
Beim Längsaquaplaning lag der durchschnittliche Bewertungsverlust gegenüber dem Neuzustand bei einer Profiltiefe von 4 Millimetern beispielsweise bei rund 12 Prozent.
Trotz dieser Einbußen bewertet der ADAC die vorhandenen Sicherheitsreserven bei 4 Millimetern noch als technisch vertretbar. Genau deshalb hat sich dieser Wert als Empfehlung für den Austausch von Winterreifen etabliert.
Was bei 2 mm Restprofil passiert
Deutlich kritischer wird es bei nur noch 2 Millimetern Restprofil. Beim Längsaquaplaning verschlechterte sich die ADAC-Bewertung gegenüber dem Neureifen im Durchschnitt um rund 22 Prozent. Beim Aquaplaning in Querrichtung lag der durchschnittliche Verlust sogar bei etwa 25 Prozent.
In der Praxis bedeutet das, dass die stärker abgefahrenen Reifen bereits bei niedrigeren Geschwindigkeiten aufschwimmen können. Verliert der Reifen dabei den Kontakt zur Fahrbahn, kann das Fahrzeug vorübergehend nur noch eingeschränkt gelenkt oder gebremst werden.
Auch auf Schnee zeigen sich deutliche Unterschiede. Beim Bremsen lag der Bewertungsverlust zwischen Neuzustand und 2 Millimetern Profil im Durchschnitt bei rund 20 Prozent.
Wie groß der Unterschied ausfallen kann, verdeutlicht ein Beispiel aus dem ADAC-Test: Bei einem getesteten Bridgestone-Winterreifen hätte das Fahrzeug mit dem Neureifen bei einer Bremsung aus 30 km/h bereits gestanden, während es mit 2 Millimetern Restprofil zu diesem Zeitpunkt noch mit mehr als der Hälfte der ursprünglichen Geschwindigkeit unterwegs gewesen wäre.
Der Test zeigt außerdem: Auch ein hochwertiger Premiumreifen kann fehlende Profiltiefe nicht vollständig ausgleichen.
Darf man mit 2 mm Winterreifen noch fahren?
Ja. Rein rechtlich dürfen Winterreifen in Deutschland grundsätzlich bis zu einer Profiltiefe von 1,6 Millimetern gefahren werden. Mit 2 Millimetern Restprofil wird die gesetzliche Mindestgrenze also noch eingehalten.
Voraussetzung ist selbstverständlich, dass der Reifen auch ansonsten den gesetzlichen Anforderungen entspricht. Bei winterlichen Straßenverhältnissen müssen geeignete Winter- oder Ganzjahresreifen mit Alpine-Symbol verwendet werden.
Die gesetzliche Zulässigkeit sagt allerdings wenig darüber aus, welche Sicherheitsreserven ein Reifen bei Nässe, Schnee oder Schneematsch noch besitzt. Genau hier zeigt der ADAC-Test deutliche Unterschiede zwischen 4 und 2 Millimetern.
Warum ausreichend Profil im Winter so wichtig ist
Das Reifenprofil erfüllt gleich mehrere Aufgaben. Auf nasser Fahrbahn müssen die Profilrillen möglichst viel Wasser ableiten, damit der Kontakt zwischen Reifen und Straße erhalten bleibt und das Risiko von Aquaplaning reduziert wird.
Bei winterlichen Bedingungen kommen weitere Anforderungen hinzu. Profilblöcke und Lamellen sollen auf Schnee und Schneematsch möglichst guten Grip gewährleisten. Mit zunehmendem Verschleiß verändern sich diese Eigenschaften.
Deshalb empfiehlt der ADAC für Winter- und Ganzjahresreifen im Wintereinsatz mindestens 4 Millimeter Profiltiefe. Für Sommerreifen liegt die Empfehlung bei mindestens 3 Millimetern.
Wann sollte man Winterreifen wirklich wechseln?
Die 4-Millimeter-Marke ist in Deutschland keine gesetzliche Austauschgrenze, sondern eine Sicherheitsempfehlung. Ein Winterreifen wird also nicht automatisch unbrauchbar, sobald das Profil von 4,0 auf 3,9 Millimeter sinkt.
Der aktuelle ADAC-Test zeigt allerdings, dass die Leistungsfähigkeit mit weiter sinkender Profiltiefe zunehmend nachlassen kann und sich der Verlust zwischen 4 und 2 Millimetern in mehreren Disziplinen deutlich verstärkt.
Wer regelmäßig bei Schnee, Schneematsch oder starker Nässe unterwegs ist, sollte deshalb besonders auf ausreichendes Restprofil achten und einen Reifenwechsel nicht bis zur gesetzlichen Mindestgrenze von 1,6 Millimetern hinauszögern.
FAQ zu Winterreifen und Profiltiefe
Sind Winterreifen mit 3 mm Profil noch erlaubt?
Ja. In Deutschland beträgt die gesetzliche Mindestprofiltiefe 1,6 Millimeter. Winterreifen mit 3 Millimetern Profil dürfen deshalb grundsätzlich noch gefahren werden.
Der ADAC empfiehlt für den Wintereinsatz allerdings mindestens 4 Millimeter.
Sind Winterreifen mit 2 mm Profil noch erlaubt?
Auch 2 Millimeter Restprofil liegen noch oberhalb der gesetzlichen Mindestgrenze von 1,6 Millimetern. Rechtlich sind solche Reifen deshalb grundsätzlich weiterhin zulässig.
Der aktuelle ADAC-Test zeigt jedoch, dass bei 2 Millimetern insbesondere die Leistung auf Nässe und Schnee bereits deutlich geringer sein kann als bei neuen Reifen oder Reifen mit 4 Millimetern Profil.
Warum empfiehlt der ADAC 4 mm?
Tests zeigen, dass wichtige Eigenschaften von Winterreifen mit abnehmender Profiltiefe nachlassen. Besonders zwischen 4 und 2 Millimetern nimmt der Leistungsverlust in mehreren sicherheitsrelevanten Disziplinen deutlich zu.
Die 4 Millimeter sind deshalb eine Sicherheitsempfehlung und keine gesetzliche Grenze.
Wie schnell nimmt die Sicherheit bei weniger Profil ab?
Der Leistungsverlust verläuft nicht in allen Disziplinen und bei allen Reifen gleich. Der aktuelle ADAC-Test zeigt jedoch, dass sich die Einbußen zwischen 4 und 2 Millimetern bei vielen der untersuchten Kriterien deutlich verstärken.
Wie groß der Effekt ausfällt, hängt unter anderem vom jeweiligen Reifenmodell und von den Straßenbedingungen ab.
Gilt die 4-mm-Empfehlung auch für Ganzjahresreifen?
Ja, wenn Ganzjahresreifen im Winter eingesetzt werden. Der ADAC empfiehlt für Winter- und Ganzjahresreifen bei winterlichen Bedingungen mindestens 4 Millimeter Restprofil.
Auch Ganzjahresreifen müssen bei winterlichen Straßenverhältnissen das Alpine-Symbol tragen, um die Anforderungen der deutschen Winterreifenpflicht zu erfüllen.
Zahlt die Versicherung bei weniger als 4 mm Profil?
Eine Profiltiefe von weniger als 4 Millimetern führt nicht automatisch zu Problemen mit der Kfz-Versicherung. Gesetzlich vorgeschrieben sind in Deutschland mindestens 1,6 Millimeter.
Anders kann die Situation aussehen, wenn die Reifen die gesetzliche Mindestprofiltiefe unterschreiten oder die vorgeschriebene Winterbereifung bei winterlichen Straßenverhältnissen fehlt. Ist eine unzulässige oder ungeeignete Bereifung für einen Unfall mitursächlich, können je nach Einzelfall auch versicherungsrechtliche Konsequenzen entstehen.
Die 4-Millimeter-Empfehlung des ADAC ist dagegen eine Sicherheits- und keine Versicherungsgrenze.