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VW spart Milliarden durch gelockerte EU-Klimaziele

VW-Werk in Wolfsburg, Schornsteine, Backstein
VW-Werk in Wolfsburg, Quelle: Akhil Simha, Unsplash

Die Europäische Union hat im vergangenen Jahr ihre Emissionsvorgaben für die angeschlagene Autoindustrie spürbar gelockert. Davon profitieren vor allem Hersteller mit hohem Nachholbedarf bei den CO2 Zielen, während nur BMW die ursprünglichen Vorgaben bereits erfüllt hat. Besonders stark entlastet wird der Volkswagen Konzern.

Nach Berechnungen des Magazins Spiegel auf Basis von Daten der Umweltorganisation ICCT hat die deutsche Autoindustrie durch die Anpassung der Regeln bis zu 4,2 Milliarden Euro an möglichen Strafzahlungen eingespart. Hintergrund ist eine Änderung der Berechnungssystematik für die CO2 Flottenemissionen.

VW kommt deutlich günstiger davon

Ursprünglich hätten die Autobauer in der EU bereits im vergangenen Jahr sicherstellen müssen, dass der durchschnittliche CO2 Ausstoß ihrer Neuwagen im Vergleich zu 2021 um 15 Prozent sinkt. Im Juni räumte die EU Kommission den Herstellern jedoch einen zeitlichen Spielraum ein. Überschreitungen der Zielwerte können nun bis Ende 2027 über mehrere Jahre ausgeglichen werden. Erst dann werden Strafzahlungen fällig, und zwar in Höhe von 95 Euro pro Fahrzeug für jedes Gramm CO2, das im Durchschnitt der Jahre 2025 bis 2027 über der Vorgabe liegt.

Besonders stark profitiert davon VW. Ohne die Regeländerung wären laut Berechnungen Strafzahlungen von bis zu zwei Milliarden Euro angefallen. Mercedes konnte seine Zielwerte demnach nur durch sogenannte Poollösungen erreichen, unter anderem mit Marken wie Smart oder Volvo, deren Neuwagenflotten deutlich unter den erlaubten Emissionswerten liegen und entsprechende CO2 Gutschriften verkaufen.

BMW ist CO2-Musterschüler

Von den klassischen deutschen Herstellern erfüllte allein BMW seine CO2 Vorgaben bereits im vergangenen Jahr aus eigener Kraft. Ausschlaggebend war ein Elektroanteil von 27 Prozent an den Neuzulassungen, der den Flottenwert entsprechend senkte.

Zusätzlich hat die EU im Dezember auch das ursprünglich für 2035 vorgesehene vollständige Aus für Verbrennungsmotoren abgeschwächt. Nach den neuen Regeln müssen die CO2 Flottenemissionen bis 2035 nur noch um 90 Prozent statt um 100 Prozent sinken. Damit bleibt es auch über dieses Datum hinaus möglich, neue Hybridfahrzeuge, klassische Benziner oder Elektroautos mit Range Extender zuzulassen.

Die Anpassungen verschaffen der Industrie kurzfristig finanzielle Entlastung, verschieben jedoch zugleich den Druck, die Emissionsziele konsequent über einen schnelleren Hochlauf der Elektromobilität zu erreichen.


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