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VW mit US-Sorgen: Scout startet deutlich verspätet

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- VW hat in den USA mit beträchtlichen Herausforderungen und Problemen zu kämpfen.
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- Der populäre Scott sollte dort eigentlich ab 2027 gebaut werden.
- Nun wird eine Fertigung kaum vor Mitte 2028 anlaufen.
Volkswagen erlebt auf dem US-Markt ein weiteres schwieriges Jahr. Trotz eines insgesamt stabilen Branchenumfelds setzte der Konzern 2025 in den Vereinigten Staaten deutlich weniger Fahrzeuge ab. Selbst die Kernmarke VW verkaufte rund 50.000 Autos weniger als im Vorjahr, obwohl ein Teil der Modelle lokal produziert wird und somit Importzölle teilweise umgangen werden können. Besonders stark belasteten die von US-Präsident Donald Trump verhängten Autozölle das Geschäft von Audi und Porsche, was den Konzern Milliarden kostete.
Konzernchef Oliver Blume hat inzwischen das ambitionierte Ziel aufgegeben, mit allen Marken gemeinsam einen Marktanteil von zehn Prozent in den USA zu erreichen. Als strategischer Hoffnungsträger gilt nun die traditionsreiche Marke Scout, die Volkswagen mit elektrischen Pick-ups und Offroad-SUV neu positionieren will.
VW baut neuen Scott wohl nicht vor 2028 in den USA
Im US-Bundesstaat South Carolina entsteht derzeit eine neue Fabrik in Blythewood. Dort sollten ursprünglich ab 2027 elektrische Trucks und SUV vom Band laufen. Nach aktuellen Informationen verzögert sich der Produktionsstart jedoch auf den Sommer 2028. Ein früherer Termin gilt intern lediglich als ambitioniertes Szenario. Volkswagen äußerte sich auf Anfrage des Spiegel nicht zu einer möglichen Verschiebung und verwies darauf, derzeit keine Aktualisierung des Zeit- oder Produktplans bekanntzugeben.
VW steckt in der Zwickmühle
Die Verzögerung sorgt konzernintern für zusätzlichen Druck. Das Werk inklusive Zulieferpark soll rund drei Milliarden Dollar kosten. Gleichzeitig verschärft das Management in Deutschland die Sparmaßnahmen. Berichten zufolge werden erneut tiefgreifende Einschnitte diskutiert, selbst Werksschließungen stehen wieder im Raum. Vor diesem Hintergrund gewinnt das milliardenschwere US-Projekt zusätzliche Brisanz.
Geplant ist, dass die Fabrik langfristig bis zu 250.000 Fahrzeuge pro Jahr fertigen kann. Angesichts der verhaltenen Nachfrage nach Elektrotrucks gilt diese Kapazität jedoch als ambitioniert. Zudem will auch Audi in Blythewood bis zu 40.000 Premium-SUV auf Scout-Basis produzieren. Eine weitere Verzögerung würde daher mehrere Konzernprojekte betreffen.
Strategisch sollte Scout Volkswagen Zugang zum lukrativen US-Pick-up-Segment verschaffen, das bislang von Ford und General Motors dominiert wird. Das Modell Terra misst fast sechs Meter in der Länge und ist klar auf amerikanische Marktanforderungen zugeschnitten.
Allerdings haben sich die Rahmenbedingungen seit Projektstart deutlich verändert. Ursprünglich war Scout als reines Elektroprojekt geplant. Mit der Rückkehr Trumps ins Weiße Haus wurden jedoch Kaufprämien für Elektroautos gestrichen und regulatorische Vorgaben gelockert. Volkswagen reagierte darauf und kündigte an, neben rein elektrischen Varianten auch Modelle mit Range-Extender anzubieten. Diese kombinieren eine Batterie mit einem zusätzlichen Generator und ermöglichen Reichweiten von rund 800 Kilometern.
Die Einführung dieser Hybridlösung erhöht jedoch die technische Komplexität. Da das Fahrzeug ursprünglich nicht für einen zusätzlichen Verbrennungsmotor ausgelegt war, müssen konstruktive Anpassungen vorgenommen werden. Auch die Softwareintegration erweist sich als anspruchsvoll.
VW arbeitet im Bereich Elektronikarchitektur und Software eng mit dem US-Start-up Rivian zusammen und investiert bis 2027 rund 5,8 Milliarden Dollar in die Kooperation. Allerdings priorisiert Rivian derzeit reine Elektroarchitekturen. Die Integration des Range-Extenders übernimmt daher maßgeblich die konzerneigene Softwareeinheit Cariad, was zusätzlichen Entwicklungsaufwand bedeutet.
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