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Riesen-Displays in neuen Autos: Ablenkung am Steuer ist gefährlicher als Alkohol

Ein kurzer Blick aufs Touchscreen-Menü, um die Klimaanlage einzustellen, kann fatale Folgen haben. Neue Untersuchungen des Allianz Zentrums für Technik (AZT) zeigen, dass die Gefahr der Ablenkung im modernen Straßenverkehr massiv unterschätzt wurde. Mindestens jeder dritte Verkehrsunfall geht demnach auf Unachtsamkeit zurück. Bisherige Schätzungen gingen von lediglich rund 10 Prozent aus.
Die Ergebnisse, die im Rahmen des 14. Allianz Motor Day vorgestellt wurden, sind alarmierend: In bestimmten Situationen ist das Fahren unter Ablenkung riskanter als das Steuern eines Fahrzeugs mit 0,8 Promille Alkohol im Blut.
Simulation zeigt: Dreifaches Unfallrisiko
Für die Studie kooperierte das AZT mit cogniBIT, einem Spezialisten für kognitive Modellierung, und wertete reale Blickdaten sowie mehr als 34.000 Unfallfälle aus. In einem simulierten Autobahn-Szenario (Notbremsung) verunglückten 54,3 Prozent der abgelenkten Fahrer – bei den aufmerksamen waren es nur 18,2 Prozent. Trat unvermittelt ein Kind auf die Fahrbahn, stieg die Unfallquote von 3,9 auf 11,2 Prozent. Besonders erschreckend: In knapp 40 Prozent dieser Fälle reagierten die abgelenkten Fahrer überhaupt nicht mehr.
Frank Sommerfeld, CEO der Allianz Versicherungs-AG, fordert ein Umdenken in der Gesellschaft: „Ablenkung ist kein Kavaliersdelikt und sollte gesellschaftlich ebenso geächtet werden wie Alkohol am Steuer.“
„Das Auto ist kein Smartphone“
Ein Haupttreiber für diese Entwicklung ist paradoxerweise die fortschreitende Digitalisierung im Fahrzeuginneren. Wo früher intuitive Schalter und Drehregler blind bedient werden konnten, finden sich heute tief verschachtelte Touchscreen-Menüs.
Fahrtests der Allianz zeigten, dass es nicht zwingend am Touchscreen selbst liegt, sondern an dessen Gestaltung: Bei schlecht designten Benutzeroberflächen wandert der Blick des Fahrers bis zu drei Sekunden länger weg von der Straße. „Das Cockpit selbst ist zu einem Bildschirm geworden, der mit der Straße um die Aufmerksamkeit des Fahrers konkurriert“, warnt Dr. Klaus-Peter Röhler, Vorstandsmitglied der Allianz SE. Wenn es um Sicherheit gehe, müsse das Design zwingend der Funktion folgen.
Autofahrer fordern Rückkehr der Tasten
Die Autofahrer selbst scheinen die Touch-Euphorie der Hersteller längst sattzuhaben. In einer Umfrage gaben 77 Prozent der deutschen Fahrer an, dass die zunehmende Technik im Fahrzeug sie stärker ablenke als früher. Der Wunsch nach einer Rückbesinnung auf analoge Bedienkonzepte ist groß: 70 Prozent der Befragten wünschen sich klassische Schalter und Tasten für wichtige Funktionen zurück.
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Über den Autor
Fabian Schwarzenbach
Fabian Schwarzenbach ist Journalist, Podcaster und Autor bei Sparneuwagen.de. Seine Schwerpunkte sind Elektromobilität, neue Modelle, Fahrzeugtechnik und Digitalisierung. Bekannt ist er außerdem als Moderator des Apple-Podcasts „Apfelplausch“.Jetzt leasen!
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