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Revolution in der Automobillogistik? Audi testet humanoide Roboter mit NVIDIA

Die Automatisierung in der Automobilindustrie erreicht die nächste Stufe: Audi hat auf der NVIDIA GTC in Berlin einen Proof-of-Concept vorgestellt, bei dem künftig mobile humanoide Roboter in der Logistik zum Einsatz kommen sollen. Dafür hat sich der Ingolstädter Autobauer mit drei Technologie-Schwergewichten zusammengetan: dem Münchner Robotik-Unternehmen Agile Robots, dem Software-Konzern Dassault Systèmes und dem KI-Pionier NVIDIA.
Eine Million Handgriffe am Tag
Die Logistik in einem Automobilwerk ist ein logistischer Kraftakt. Allein im Audi-Werk Ingolstadt fallen täglich rund eine Million sogenannte „Picks“ an – Bauteile müssen in genau der richtigen Reihenfolge (Sequenzierung) für die Endmontage bereitgestellt werden. Bisher stießen klassische Automatisierungslösungen hier an ihre Grenzen, insbesondere wenn es um formenreiche, biegeschlaffe Teile oder das Greifen von unsortierten Komponenten aus Behältern ging.
Genau dieses Problem sollen die neu entwickelten Roboter von Agile Robots lösen. Die mobilen Humanoiden verbinden die Fingerfertigkeit und Reichweite eines Menschen mit der Stabilität einer mobilen Basisplattform. Im „Production Lab“ von Audi erproben sie aktuell, wie sie Bauteile selbstständig erkennen, greifen und passgenau in Sequenzwagen für die Montage von Premiumfahrzeugen ablegen können.
Simulation im „virtuellen Zwilling“
Bevor die Roboter jedoch physisch in die Werkshallen rollen, wird ihr Einsatz in der digitalen Welt perfektioniert. Dassault Systèmes erstellt mit seiner DELMIA-Anwendung einen virtuellen Zwilling der gesamten Logistikumgebung. Mit Hilfe der Physical-AI-Bibliotheken aus NVIDIAs „Omniverse“ und dem KI-Assistenten LEO können Ingenieure den Einsatz der Roboter simulieren. Machbarkeit, Ergonomie, Sicherheit und Durchlaufzeiten werden so im Vorfeld getestet. Dieser virtuelle Vorlauf beschleunigt die Planungsprozesse enorm: Was früher Monate dauerte, lässt sich nun in wenigen Tagen erledigen.
Mensch und Maschine, Hand in Hand
Gerd Walker, Vorstand für Produktion und Logistik bei Audi, sieht in der „Physical AI“ einen entscheidenden Faktor für die Zukunft der Produktion: „Beim Pickprozess in der Sequenzierung stoßen klassische Automatisierungslösungen seit Jahrzehnten an ihre Grenzen. Gemeinsam mit unseren Partnern erproben wir, wie KI-gestützte Robotik hier neue Möglichkeiten eröffnen und die Produktivität in unseren Audi Werken auf ein neues Level heben kann.“
Auch Dr. Zhaopeng Chen, CEO von Agile Robots, betont das enorme Potenzial: „Gemeinsam mit Audi zeigen wir, wie unsere mobilen Humanoiden hochwertige, kritische Aufgaben übernehmen können, die sich bislang nicht automatisieren ließen.“
Ziel der Kooperation ist es nicht, den Menschen zu ersetzen, sondern die Vision einer „denkenden Fabrik“ umzusetzen. Die Automatisierung komplexer und monotoner Handgriffe soll die Mitarbeitenden physisch entlasten und Freiräume für wertschöpfendere Aufgaben schaffen. Mit diesem Pilotprojekt zeigen die vier Partner eindrucksvoll, wie humanoide Roboter schon bald vom reinen Forschungsprojekt zum echten „Gamechanger“ für die industrielle Großserienproduktion werden könnten.
Audi
Über den Autor
Fabian Schwarzenbach
Fabian Schwarzenbach ist Journalist, Podcaster und Autor bei Sparneuwagen.de. Seine Schwerpunkte sind Elektromobilität, neue Modelle, Fahrzeugtechnik und Digitalisierung. Bekannt ist er außerdem als Moderator des Apple-Podcasts „Apfelplausch“.Jetzt leasen!
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