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Lotus kehrt der reinen E-Strategie den Rücken

Elektroautos sollten für Lotus ursprünglich die alleinige Zukunft sein. Bis 2028 wollte die britische Traditionsmarke ihr Modellprogramm vollständig auf batterieelektrische Antriebe umstellen. Von diesem Plan verabschiedet sich das Unternehmen nun jedoch. Lotus setzt künftig auf eine Mischung aus Elektroautos, Plug-in-Hybriden und klassischen Verbrennungsmotoren mit elektrischer Unterstützung. Die neue Strategie trägt den Namen „Focus 2030“ und bedeutet einen deutlichen Kurswechsel.
Ganz überraschend kommt die Entscheidung nicht. Lotus-Chef Feng Qingfeng räumte ein, dass die Marke den Umstieg der Kunden auf elektrische Sportwagen zu optimistisch eingeschätzt habe. Die Nachfrage nach reinen Elektroautos entwickle sich langsamer als ursprünglich erwartet. Gerade im exklusiven Sportwagensegment spielen Faktoren wie Motorsound, Gewicht, Reichweite und emotionale Bindung weiterhin eine besonders große Rolle.
V8-Hybrid statt reinem Elektro-Supersportwagen
Besonders deutlich zeigt sich die neue Richtung beim geplanten Supersportwagen Type 135. Ursprünglich war das Modell als vollelektrischer Nachfolger klassischer Lotus-Sportwagen vorgesehen. Nun soll daraus ein V8-Hybrid mit mehr als 1.000 PS werden. Die Markteinführung ist für 2028 geplant, passend zum 80-jährigen Bestehen der Marke.
Auch beim Emira bleibt der Verbrennungsmotor länger erhalten als zunächst geplant. Für den Mittelmotor-Sportwagen arbeitet Lotus an einem neuen elektrifizierten V6-Antrieb. Die bisher verwendeten Motoren von Toyota und Mercedes-AMG sollen perspektivisch ersetzt werden. Die neue Technik entsteht mit Unterstützung von Horse Powertrain, einem Gemeinschaftsunternehmen von Renault und Lotus-Mutterkonzern Geely.
Damit kehrt Lotus nicht einfach zu alten Konzepten zurück. Vielmehr sollen leistungsstarke Verbrennungsmotoren mit moderner Hybridtechnik kombiniert werden. Der elektrische Anteil bleibt also wichtig, wird jedoch nicht länger zum alleinigen Maßstab für die Zukunft der Marke.
Auch der Eletre bekommt einen Verbrennungsmotor
Die Strategieänderung betrifft nicht nur die klassischen Sportwagen. Vom großen Elektro-SUV Eletre ist bereits eine Plug-in-Hybridversion angekündigt. Der Eletre X-Hybrid wird in China schon angeboten und soll ab Ende 2026 auch erste europäische Kunden erreichen.
Lotus spricht dabei von einer sogenannten Hyper-Hybrid-Technologie. Eine leistungsfähige elektrische Architektur soll hohe Ladegeschwindigkeiten ermöglichen, während der Verbrennungsmotor zusätzliche Reichweite bereitstellt und die Batterie unterwegs laden kann. Damit reagiert die Marke vor allem auf Kunden, denen reine Elektroautos trotz hoher Leistung noch nicht genügend Langstreckentauglichkeit bieten.
Vom radikalen Elektroplan zum pragmatischen Antriebsmix
Mit „Focus 2030“ zieht Lotus auch wirtschaftlich die Konsequenzen aus seiner bisherigen Entwicklung. Die Verkaufszahlen blieben zuletzt deutlich hinter den ambitionierten Erwartungen zurück. Statt der früher angepeilten 150.000 Fahrzeuge pro Jahr liegt das neue Ziel bei rund 30.000 Einheiten bis 2028. Kurzfristig soll das Modellangebot zu etwa 60 Prozent aus Plug-in-Hybriden und zu 40 Prozent aus Elektroautos bestehen.
Der Kurswechsel bedeutet deshalb keine vollständige Abkehr von der Elektromobilität. Modelle wie Eletre, Emeya und Evija bleiben Teil des Portfolios. Lotus gibt lediglich den Anspruch auf, innerhalb weniger Jahre ausschließlich elektrische Fahrzeuge anzubieten.
Lotus sucht die verlorene Balance
Lotus hatte seine Zukunft sehr früh und sehr konsequent mit dem Elektroantrieb verbunden. Nun folgt die Korrektur. Die Marke will wieder stärker auf jene Eigenschaften setzen, die sie über Jahrzehnte geprägt haben: geringes Gewicht, direktes Fahrgefühl, emotionale Motoren und kompromisslose Leistung.
Ob V6, V8, Plug-in-Hybrid oder reiner Elektroantrieb, künftig soll nicht mehr eine einzige Technik über das gesamte Modellprogramm entscheiden. Lotus kehrt der reinen E-Strategie damit den Rücken, ohne das Elektroauto aufzugeben. Für die Fans könnte genau dieser Mittelweg attraktiver sein als der bisherige radikale Schnitt.
Lotus selbst bezeichnet den neuen Kurs als „signifikanten Neustart“ mit mehreren Antriebsarten. Bestätigt sind unter anderem der V8-Hybrid für den Type 135, der stärkere Hybridfokus und das Ziel eines Modellmixes aus rund 60 Prozent Hybriden und 40 Prozent Elektroautos.
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