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E-Auto-Förderung treibt Verkäufe, aber kostet Milliarden

E-Auto-Ladestation
Ladestation für E-Autos, Quelle: E-Go auf Unsplash

Die Neuauflage einer geplanten E-Auto-Förderung dürfte den Stromerverkäufen in den nächsten Jahren einigen Schub geben. Allein dieses Jahr dürften über eine halbe Million neuer E-Autos zugelassen werden, das hat jedoch auch seinen Preis.

Die Bundesregierung hat beschlossen, den Kauf von Elektroautos ab diesem Jahr erneut finanziell zu unterstützen. Vorgesehen ist ein Zuschuss von bis zu 5.000 Euro für Haushalte mit niedrigen und mittleren Einkommen. Nach Einschätzung der Beratungsgesellschaft EY dürfte diese Maßnahme den Absatz von Elektrofahrzeugen in Deutschland spürbar beschleunigen. In ihrem wahrscheinlichsten Szenario rechnet EY damit, dass der Bestand an Elektroautos einschließlich Plug in Hybriden bis 2030 von derzeit rund 3,2 auf etwa 9,4 Millionen Fahrzeuge wächst. Bereits im kommenden Jahr dürfte die Zahl der E Fahrzeuge demnach um rund 600.000 steigen.

E-Auto-Prämie kommt den Bund teuer

Für den Staatshaushalt ist diese Entwicklung jedoch mit erheblichen Belastungen verbunden. Zusätzlich zu den rund drei Milliarden Euro, die der Bund in den kommenden zwei Jahren für Kaufprämien einplant, entstehen laut Branchenberichten umfangreiche Steuerausfälle. Ursachen sind unter anderem der geringere Energieverbrauch von Elektroautos, der niedrigere Steuersatz auf Strom im Vergleich zu Benzin und Diesel, steuerliche Vorteile für elektrifizierte Dienstwagen sowie die Befreiung von Elektrofahrzeugen von der Kfz Steuer. In Summe beziffert EY die fiskalischen Kosten des Übergangs zur Elektromobilität bis 2030 auf 39,1 Milliarden Euro.

Entgangene Steuereinnahmen kosten Milliarden

Den größten Anteil an den Mindereinnahmen machen die Energiesteuern aus. Für den Zeitraum von 2025 bis 2030 rechnet EY mit kumulierten Ausfällen von 29,8 Milliarden Euro. Dem stehen Einnahmen aus der Stromsteuer in Höhe von rund 8,3 Milliarden Euro gegenüber. Allein bei Umsatzsteuer, Stromsteuer und Energiesteuern ergibt sich damit ein Netto Minus von 21,5 Milliarden Euro im Vergleich zu einem Szenario ohne Elektromobilität.

Zusätzliche Belastungen entstehen durch steuerliche Vergünstigungen für elektrische Dienstwagen. Bereits im Jahr 2025 führt die niedrigere Besteuerung zu Einnahmeausfällen von rund 0,8 Milliarden Euro. Bis 2030 steigt dieser Betrag laut EY auf jährlich etwa 3,2 Milliarden Euro an. Kumuliert ergibt sich für den Zeitraum 2025 bis 2030 ein Minus von 10,8 Milliarden Euro. Die Befreiung von Elektroautos von der Kfz Steuer verursacht bis 2030 weitere Steuerausfälle von rund 3,9 Milliarden Euro. Sollten die diskutierten strengeren EU Vorgaben für gewerbliche Flotten umgesetzt werden, würden sich diese Effekte weiter verstärken.

Grundlage der Prognosen ist ein von EY entwickeltes Modell, das Absatzprognosen für Elektrofahrzeuge mit Ergebnissen einer umfassenden Marktmodellierung verknüpft und daraus die Auswirkungen auf die Staatseinnahmen ableitet.

Nach Einschätzung von Constantin M Gall von EY ist der Hochlauf der Elektromobilität für den Staat mit sehr hohen Kosten verbunden. Ein erheblicher Teil entfalle auf direkte und indirekte Subventionen wie Kaufprämien, steuerliche Vorteile für Dienstwagen und die Kfz Steuerbefreiung. Gleichzeitig sei klar, dass ohne diese Förderinstrumente der Markt deutlich einbrechen würde.

Tatsächlich hat das Interesse privater Autokäufer an Elektrofahrzeugen zuletzt nachgelassen. In einer EY Umfrage unter 1.000 Bundesbürgern im Herbst 2025 gaben nur noch 18 Prozent an, dass ihr nächstes Auto ein Elektrofahrzeug sein soll. Im Vorjahr lag dieser Anteil noch bei 26 Prozent. Gleichzeitig stieg der Anteil der Befragten, die einen Verbrenner bevorzugen, von 40 auf 47 Prozent. Die Befragung fand allerdings vor der Entscheidung über die neue Kaufprämie statt.

Jan Sieper von EY Parthenon erwartet, dass die neue Förderung kurzfristig einen Absatzschub auslösen wird, da sie gezielt einkommensschwächere Haushalte adressiert. Gleichzeitig warnt er vor Mitnahmeeffekten und einer erneut künstlich erzeugten Nachfrage. Ein späteres Auslaufen der Subventionen werde voraussichtlich wieder zu einem deutlichen Rückgang der Nachfrage führen. Die Elektromobilität bleibe damit stark von staatlicher Förderung abhängig.

Aus Sicht von Gall ist die Zurückhaltung vieler Käufer technologisch begründet. Reichweitenangst, lange Ladezeiten und hohe Anschaffungskosten seien weiterhin zentrale Hürden. Zwar gebe es im oberen Preissegment zunehmend leistungsfähige Modelle mit deutlichen Fortschritten bei Reichweite und Ladezeit. In niedrigeren Preisklassen blieben diese Punkte jedoch entscheidend.

Ein zentraler Wachstumstreiber bleibt die steuerliche Förderung von Dienstwagen. Reine Elektrofahrzeuge werden bei privater Nutzung nur mit 0,25 Prozent des Bruttolistenpreises versteuert, bei Plug in Hybriden sind es 0,5 Prozent, bei Verbrennern 1 Prozent. Diese Regelung führt laut EY bis 2030 zu Steuerausfällen von insgesamt 10,8 Milliarden Euro.

Gleichzeitig spielen Dienstwagen eine Schlüsselrolle beim Markthochlauf. Ein großer Teil der Elektro Neuzulassungen entfällt auf Firmenfahrzeuge, die später als Gebrauchtwagen in den Privatmarkt gelangen. Auch industriepolitisch ist dieser Effekt relevant, da viele Elektrofahrzeuge aus deutscher Produktion in Preisregionen liegen, die für private Käufer kaum erreichbar sind. Die steuerliche Förderung trägt dazu bei, diese Fahrzeuge dennoch in den Markt zu bringen und langfristig breiter verfügbar zu machen.

Zum Vergleich: Im Jahr 2024 beliefen sich die Einnahmen des Bundes aus Energiesteuern auf Benzin und Diesel auf 35,1 Milliarden Euro, was rund 0,8 Prozent der gesamten Staatseinnahmen entsprach.


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