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Akkuwechsel statt Laden: Geely will eigene E-Autos an NIO-Stationen schicken

Während sich die meisten Hersteller gegenseitig mit immer höheren Ladeleistungen überbieten, gehen NIO und Geely einen anderen Weg. Die beiden chinesischen Autokonzerne bauen ihre Zusammenarbeit beim Laden und beim automatisierten Batteriewechsel massiv aus. Besonders interessant: Geely will künftig eigene Elektroautos für Privatkunden entwickeln, deren Akkus an den Power-Swap-Stationen von NIO gewechselt werden können. Damit könnte aus NIOs bislang stark markengeprägtem System zunehmend eine herstellerübergreifende Infrastruktur werden.
Die Zusammenarbeit geht dabei weit über eine technische Kooperation hinaus. Geely bringt sein bisheriges Batteriewechselgeschäft Yiyi Power sowie zusätzlich 640 Millionen Yuan in NIO Power ein. Nach Abschluss der Transaktion hält der Konzern 30 Prozent an NIO Power. Im Gegenzug beteiligt sich NIO mit zehn Prozent an Geelys Ladespezialisten Haohan Energy.
Ein Akkuwechsel-Netz für mehr als nur NIO
Für Autofahrer ist vor allem ein anderer Teil der Vereinbarung spannend. NIO und Geely wollen gemeinsam einheitliche technische Standards für wechselbare Batterien entwickeln. Geely Holding kündigt ausdrücklich Fahrzeuge für Privatkunden an, die mit dieser Technik kompatibel sein sollen. NIO Power stellt anschließend die passenden Wechselstationen zur Verfügung.
Damit würde sich das bisherige Prinzip deutlich öffnen. Bislang ist das sogenannte Battery Swapping vor allem eng mit den Fahrzeugen von NIO verbunden. Anstatt den Akku an einer Schnellladesäule aufzuladen, fährt das Fahrzeug in eine automatisierte Station. Dort wird die entladene Batterie aus dem Unterboden entfernt und gegen einen geladenen Akku ausgetauscht.
Gerade auf längeren Strecken soll damit die klassische Ladepause entfallen. Allerdings funktioniert dieses Konzept nur dann wirklich komfortabel, wenn ausreichend Stationen vorhanden sind und möglichst viele Fahrzeuge denselben technischen Standard nutzen können. Genau hier könnte die Kooperation mit Geely entscheidend werden.
NIO hat bereits mehr als 4.100 Wechselstationen
Von einem kleinen Versuch kann bei NIO längst keine Rede mehr sein. Zum 27. September betrieb das Unternehmen in China 4.126 Power-Swap-Stationen sowie weitere 5.307 Ladestationen mit insgesamt mehr als 30.000 Ladepunkten. Nach Angaben des Herstellers wurden inzwischen mehr als 125 Millionen Batteriewechsel durchgeführt.
Und das Netz soll noch erheblich wachsen. Bis 2030 plant NIO 10.000 Power-Swap-Stationen. Durch die Zusammenarbeit mit Geely könnten diese künftig nicht mehr ausschließlich für Fahrzeuge aus dem NIO-Umfeld interessant sein.
Parallel wollen die Unternehmen auch ihre klassischen Ladenetze miteinander verbinden. Geely verfügt über sein Unternehmen Haohan Energy derzeit über rund 2.500 Ladestationen mit mehr als 12.000 Anschlüssen. Bis Ende 2027 soll dieses Netz auf mehr als 22.000 Stationen anwachsen.
Welcher Geely bekommt einen Wechselakku?
Genau hier bleibt allerdings noch eine große Frage offen. Konkrete Modelle hat Geely bislang nicht genannt. Zum Konzern gehören beziehungsweise gehören Beteiligungen an zahlreichen bekannten Marken. Aus der Vereinbarung lässt sich derzeit aber nicht ableiten, welche Marke zuerst ein entsprechendes Fahrzeug für Privatkunden anbieten wird.
Auch ein Zeitplan für die neuen Modelle fehlt bislang.
Trotzdem ist die Ankündigung bemerkenswert. Entscheidet sich ein Herstellerverbund von Geelys Größe für eine gemeinsame Batteriewechsel-Technik mit NIO, bekommt das Konzept eine völlig andere Dimension. Entscheidend wird sein, ob sich daraus tatsächlich ein Standard entwickelt, dem sich später weitere Hersteller anschließen.
NIO selbst lässt genau diese Tür ausdrücklich offen und erklärt, die Kooperation beim Laden und Batteriewechsel solle auch weiteren Unternehmen der Autobranche offenstehen.
Kommt der Akkuwechsel auch nach Europa?
Für europäische Autofahrer bleibt zunächst allerdings ein Haken: Die aktuelle Vereinbarung konzentriert sich auf China. Eine Ankündigung, wonach kommende Geely-Fahrzeuge auch in Deutschland oder anderen europäischen Märkten die NIO-Wechselstationen nutzen können, gibt es bislang nicht.
Ganz uninteressant ist das Thema für Europa trotzdem nicht. NIO ist bereits auf mehreren europäischen Märkten aktiv und hat auch hier erste Power-Swap-Stationen aufgebaut. Sollte sich die Technik in China mit weiteren Herstellern etablieren, dürfte deshalb früher oder später auch die Frage aufkommen, ob das offene System auf andere Märkte übertragen werden kann.
Noch dominiert beim Elektroauto eindeutig das klassische Laden. Doch NIO und Geely zeigen nun, dass der komplette Batterietausch keineswegs abgeschrieben ist. Im Gegenteil: Wenn immer mehr Fahrzeuge dieselben Wechselstationen nutzen können, könnte aus einer ungewöhnlichen NIO-Spezialität doch noch eine echte Alternative zur Ladesäule werden.
Über den Autor
Christian Lahl
Christian Lahl ist Redakteur und Autor bei Sparneuwagen.de. Sein Schwerpunkt liegt auf Leasingangeboten, Fahrzeugdeals und aktuellen Entwicklungen der Automobilbranche. Dabei legt er besonderen Wert darauf, Angebote transparent einzuordnen und die wichtigsten Konditionen verständlich zusammenzufassen.Jetzt leasen!
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