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Zu teuer: Mercedes tritt bei autonomen Autos auf die Bremse

Lenkrad Mercedes
Lenkrad Mercedes, Bild: Pixabay

Autonomes Fahren ist anspruchsvoll und vor allem teuer in der Entwicklung – zu teuer für Mercedes: Der absatzkrisengeplagte Autobauer will daher nun seine Ambitionen deutlich zurückfahren und zunächst die niedrig hängenden Früchte pflücken.

Mercedes richtet seine Strategie im Bereich automatisiertes Fahren neu aus und justiert dabei klar die wirtschaftlichen Prioritäten. Der Konzern rückt von den bislang ambitioniert verfolgten Plänen für hochautomatisierte Assistenzsysteme mit freihändigem Fahren vorerst ab und verschiebt den Fokus auf marktnähere Technologien.

Vollautonomes Fahren fliegt aus neuer S-Klasse

In der überarbeiteten S Klasse, deren Präsentation Ende Januar ansteht, wird das Fahren auf Level 3 nach internen Informationen, auf die sich das Handelsblatt bezieht, nicht mehr angeboten. Damit entfällt die Möglichkeit, unter bestimmten Bedingungen die Fahraufgabe vollständig an das System zu übergeben. Noch 2021 hatte Mercedes als erster Hersteller eine Sondergenehmigung für Level 3 auf deutschen Autobahnen erhalten. In der Praxis zeigte sich jedoch, dass hohe Produktionskosten und eine begrenzte Kundennachfrage nicht in einem tragfähigen Verhältnis stehen. In der aktuellen Generation konnten Kunden bislang bei bis zu 95 km h zeitweise autonom fahren.

Stattdessen investiert der Konzern verstärkt in weiterentwickelte Assistenzsysteme der Stufe 2 plus plus. Diese Lösungen setzen weiterhin die volle Aufmerksamkeit des Fahrers voraus, bieten jedoch einen deutlich breiteren Einsatzbereich. Auf der CES in Las Vegas stellte Mercedes für den US Markt ein System vor, das innerstädtisch selbstständig beschleunigt, bremst, abbiegt, Kreuzungen passiert und Ampeln erkennt. Damit adressiert das Unternehmen insbesondere den Alltagseinsatz im urbanen Verkehr.

Innovation wird Mercedes zu teuer

Hintergrund der strategischen Anpassung sind die hohen Entwicklungs und Zulassungskosten höherer Automatisierungsstufen sowie der anhaltende Margendruck in der Branche. Niedrigere Automatisierungslevel benötigen weniger komplexe Softwarearchitekturen und kostengünstigere Sensorik. Studien zufolge lassen sich die Kosten für Entwicklung, Tests und Validierung dadurch um ein Mehrfaches reduzieren. Entsprechend gering fiel bislang auch die Zahlungsbereitschaft der Kunden für Level 3 aus, insbesondere angesichts der funktionalen Einschränkungen und der Aufpreise von mehreren Tausend Euro.

Konzernchef Ola Källenius betont, dass Level 2 plus plus und Level 3 technologisch aufeinander aufbauen. Mittelfristig sollen beide Entwicklungsstränge zusammengeführt werden, um künftig automatisiertes Fahren sowohl im Stadtverkehr als auch auf Autobahnen anbieten zu können. Parallel arbeitet Mercedes an einer Weiterentwicklung des Level 3 Systems mit höheren Geschwindigkeiten und weniger Restriktionen, um die Attraktivität für Kunden zu steigern.

Kurzfristig sieht der Konzern jedoch das größere Absatzpotenzial bei Level 2. Der unter dem Namen Drive Assist Pro vermarktete Assistent soll in mehreren Modellreihen verfügbar sein, inklusive Fahrzeugen unterhalb der Luxusklasse. Durch den Verzicht auf teure Lidar Sensoren lassen sich die Systeme günstiger produzieren und entsprechend preislich attraktiver anbieten. In den USA wird das System im Abonnement vermarktet und liegt deutlich unter dem bisherigen Einmalpreis für Level 3.

Neben Assistenzsystemen für Privatkunden treibt Mercedes parallel die Entwicklung von vollautonomen Robotaxis auf Level 4 voran. Diese Fahrzeuge sind für den Einsatz in Flotten konzipiert und sollen zunächst in Abu Dhabi auf die Straße kommen. Weitere Märkte in China, den USA und später Europa sind geplant. In diesem Segment rechnet sich die teure Technik eher, da Flottenbetreiber den größten Kostenfaktor einsparen können, den Fahrer.

Eine zentrale Rolle spielt dabei die Kooperation mit Nvidia. Der Halbleiterkonzern liefert die Rechenplattform für das automatisierte Fahren und partizipiert am Umsatz. Källenius spricht von einer strategischen Partnerschaft auf Augenhöhe, bei der beide Seiten ein gemeinsames wirtschaftliches Interesse verfolgen. Zugleich setzt Mercedes auf technologische Offenheit und integriert je nach Markt auch andere Softwarepartner, etwa in China.

In den USA soll das neue System noch in diesem Jahr starten. In Europa verzögert sich der Rollout aufgrund regulatorischer Hürden, ein Marktstart in Deutschland wird frühestens 2027 erwartet. Bis dahin bleibt der Konzern bei einer klaren Linie: Fokus auf skalierbare Assistenzsysteme mit hohem Kundennutzen, wirtschaftlicher Tragfähigkeit und flexibler technologischer Basis.


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