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Elektromobilität

Cupra Tavascan: Käufer fluchen über lange Lieferverzögerungen

Cupra Tavascan
Cupra Tavascan; Quelle: Pressefoto
  • Käufer des Cupra Tavascan warten teils schon seit Wochen auf ihre bestellten Fahrzeuge.
  • Hintergrund ist offenbar der Zollstreit zwischen der EU und China um chinesische E-Auto-Exporte.
  • Die aktuelle Situation verärgert Kunden und setzt Händler unter Druck.

Die Diskussion um EU Strafzölle auf chinesische Elektroautos entwickelt sich für Käufer des Cupra Tavascan zunehmend zur Geduldsprobe. Hintergrund ist eine mögliche Kehrtwende der Europäischen Kommission, die vor wenigen Wochen angekündigt hatte, anstelle hoher Zölle künftig Mindestpreise für chinesische Elektrofahrzeuge prüfen zu wollen. Ausgerechnet der Tavascan gilt dabei als Präzedenzfall.

EU will Flut chinesischer Billig-E-Autos bremsen

Das Elektro SUV der spanischen Volkswagen Tochter Cupra wird in China produziert und in Europa verkauft. Zollrechtlich zählt das Modell damit als chinesisches Elektroauto. Seit Herbst 2024 unterliegt es daher Ausgleichszöllen von 20,7 Prozent zuzüglich des regulären Einfuhrzolls von zehn Prozent. Bei einem Einstiegspreis von rund 53.000 Euro stellt dies für den Hersteller eine erhebliche Belastung dar.

Der Volkswagen Konzern beantragte bereits im Dezember eine Ausnahmegenehmigung für den Tavascan, das bislang einzige in China gefertigte Modell des Konzerns für den europäischen Markt. Eine Entscheidung aus Brüssel steht jedoch weiterhin aus. Aus der Cupra Zentrale in Barcelona heißt es auf Nachfrage lediglich, es gebe bislang keine Neuigkeiten.

Fahrzeuge werden nicht ausgeliefert

Während die Gespräche zwischen der Europäischen Union und den Herstellern laufen, warten zahlreiche Kunden auf ihre Fahrzeuge. Nach Berichten betroffener Käufer sind viele Tavascan bereits produziert, verschifft und in Deutschland angekommen, werden jedoch nicht ausgeliefert. Stattdessen lagern die Fahrzeuge offenbar auf dem Gelände des Autohafens Bremerhaven.

Mehrere Käufer berichten, ihre Fahrzeuge stünden dort seit Wochen oder sogar Monaten. Ein Kunde schildert, er habe seinen Tavascan im Mai 2025 bestellt, die Auslieferung sei für das vierte Quartal vorgesehen gewesen. Seit November stehe das Auto jedoch im Hafen. Als Begründung sei ihm unter anderem eine Überlastung bei der Zollabfertigung genannt worden, zitiert das Handelsblatt aus einer Zuschrift. Für ihn liege der Verdacht nahe, dass der Hersteller bewusst abwarte, um mögliche Strafzölle zu vermeiden.

Auch in Online Foren häufen sich ähnliche Berichte. Dort ist von Fahrzeugen die Rede, die seit Wochen im Hafen stehen, während später angelieferte Modelle bereits an Händler ausgeliefert wurden. Die Frustration unter den Käufern wächst entsprechend.

Eine Sprecherin des Hafenbetreibers BLG bestätigt, dass derzeit eine größere Anzahl von Fahrzeugen der Marken Seat und Cupra in Bremerhaven gelagert wird. Wann diese abgeholt werden, liege jedoch allein in der Entscheidung des Herstellers.

Cupra weist den Vorwurf zurück, Fahrzeuge gezielt zurückzuhalten. Man sei sich der Lieferprobleme bewusst und arbeite intensiv daran, die Auslieferungen zu beschleunigen, erklärte eine Unternehmenssprecherin. Als Gründe werden logistische Herausforderungen, interne Prozessanpassungen und Personalmangel genannt. Man gehe davon aus, dass sich die Situation in absehbarer Zeit entspanne.

Bei vielen Kunden stößt diese Erklärung jedoch auf Skepsis. Der Eindruck verfestigt sich, dass der Konzern auf eine Entscheidung der EU wartet. Sollte Brüssel die Zölle durch Mindestpreise oder Ausnahmeregelungen ersetzen, müsste Cupra die Abgaben nicht zahlen. Für die Käufer bedeutet das bislang vor allem eines, weitere Wartezeit.

Auch Händler geraten zunehmend unter Druck. In Einzelfällen wird von Dutzenden Fahrzeugen berichtet, die längst hätten ausgeliefert werden sollen. Einige Autohäuser stellen bereits Ersatzfahrzeuge, andere Kunden haben den Kaufvertrag inzwischen gekündigt.