Ratgeber
Was kostet ein Auto wirklich? Die Gesamtkosten von Benziner, Diesel, Hybrid und Elektroauto im Vergleich

Beim Autokauf zählt für viele zunächst der Preis auf dem Fahrzeugangebot. Doch der Kaufpreis ist nur ein Teil der Rechnung. Versicherung, Kfz-Steuer, Energie, Wartung, Reifen und vor allem der Wertverlust können die tatsächlichen Kosten eines Autos über Jahre deutlich verändern.
Besonders interessant wird der Vergleich bei den verschiedenen Antriebsarten. Ist ein Diesel wegen seines niedrigeren Verbrauchs tatsächlich günstiger als ein Benziner? Wie viel lässt sich mit einem Hybrid sparen? Und wann spielt ein Elektroauto seine niedrigeren Energiekosten wirklich aus?
Ein Blick auf die Gesamtkosten eines Fahrzeugs zeigt, worauf Autofahrer achten sollten. Aktuelle Wichtigkeit erfährt das Thema aufgrund der steigenden Spritpreise.
Die wichtigsten Kosten eines Autos
Wer die tatsächlichen Kosten eines Fahrzeugs berechnen möchte, sollte mindestens diese Posten berücksichtigen:
- Anschaffung beziehungsweise Leasingrate
- Wertverlust
- Energiekosten für Benzin, Diesel oder Strom
- Kfz-Versicherung
- Kfz-Steuer
- Wartung und Reparaturen
- Reifen und saisonaler Reifenwechsel
- Zulassung und sonstige Nebenkosten
- gegebenenfalls Finanzierungskosten
- bei Elektroautos zusätzlich mögliche Kosten für Wallbox oder öffentliches Laden
Dabei ist eine Position besonders wichtig: der Wertverlust. Der ADAC bezeichnet ihn als größten Kostentreiber beim Autobesitz. Deshalb kann ein Fahrzeug mit einem höheren Anschaffungspreis unter Umständen trotzdem günstiger sein, wenn es seinen Wert besser hält.
Beim Leasing ist der Wertverlust nicht unmittelbar sichtbar. Er steckt im Wesentlichen in der Kalkulation der Leasingrate. Deshalb sollten auch Leasingnehmer nicht nur auf die monatliche Rate schauen, sondern Sonderzahlung, Überführung, Laufzeit und Kilometerleistung auf die gesamte Vertragsdauer umlegen.
Benziner: Oft günstiger in der Anschaffung
Benzinmotoren sind nach wie vor eine verbreitete Wahl und können insbesondere bei geringerer jährlicher Fahrleistung wirtschaftlich interessant sein.
Ein großer Vorteil ist häufig der niedrigere Anschaffungspreis gegenüber einem vergleichbaren Diesel. Dafür liegt der Verbrauch in der Regel höher. Hinzu kommen die laufenden Kraftstoffkosten.
Für eine beispielhafte Rechnung mit 15.000 Kilometern pro Jahr und einem Verbrauch von 7 Litern Super pro 100 Kilometer ergeben sich bei einem angenommenen Benzinpreis von 1,92 Euro pro Liter rund 2.016 Euro Kraftstoffkosten pro Jahr.
Das ist allerdings nur eine Beispielrechnung. Der tatsächliche Verbrauch hängt stark von Fahrzeug, Motorisierung, Fahrprofil und Fahrweise ab.
Auch die steuerliche Belastung ist relevant. Benzin wird in Deutschland unter anderem über Energiesteuer und CO₂-Bepreisung belastet. Der Energiesteuersatz auf Benzin liegt seit Juli 2026 bei 65,45 Cent je Liter.
Für wen kann ein Benziner interessant sein?
Vor allem für Autofahrer, die:
- vergleichsweise wenig Kilometer fahren,
- überwiegend kurze bis mittlere Strecken zurücklegen,
- einen niedrigeren Anschaffungspreis bevorzugen,
- keine Möglichkeit zum Laden eines Elektroautos haben.
Diesel: Niedriger Verbrauch gegen höhere Fixkosten
Der Diesel spielt seine Stärken traditionell bei hohen jährlichen Fahrleistungen aus. Der niedrigere Verbrauch kann die höheren Anschaffungs- und teilweise höheren Unterhaltskosten ausgleichen.
Nimmt man beispielsweise einen Verbrauch von 5,8 Litern Diesel auf 100 Kilometer und ebenfalls 15.000 Kilometer Jahresfahrleistung an, entstehen bei einem Dieselpreis von 1,92 Euro pro Liter rund 1.670 Euro Kraftstoffkosten pro Jahr.
Damit läge der Diesel in diesem Beispiel etwa 346 Euro unter dem Benziner.
Das allein macht ihn aber noch nicht zum günstigeren Fahrzeug. Anschaffungspreis, Versicherung, Kfz-Steuer und Wertverlust müssen ebenfalls berücksichtigt werden. Der ADAC vergleicht deshalb hunderte Benziner-Diesel-Paare anhand der Gesamtkosten und weist darauf hin, dass die wirtschaftlichere Variante vom jeweiligen Modell und Einsatzprofil abhängt.
Hinzu kommt die CO₂-Bepreisung. Der Preis für eine Tonne CO₂ liegt 2026 in einem Korridor zwischen 55 und 65 Euro. Diese Kosten wirken sich unter anderem auf fossile Kraftstoffe aus.
Für wen kann ein Diesel interessant sein?
Der Diesel kann insbesondere dann interessant sein, wenn:
- viele Kilometer pro Jahr gefahren werden,
- regelmäßig lange Strecken anstehen,
- ein niedriger Verbrauch besonders wichtig ist,
- das Fahrzeug häufig auf Autobahnen eingesetzt wird.
Bei wenigen Kilometern pro Jahr kann sich der höhere Anschaffungspreis dagegen schwerer amortisieren.
Hybrid: Zwei Antriebe, aber nicht automatisch doppelte Ersparnis
Hybridfahrzeuge verbinden einen Verbrennungsmotor mit einem Elektromotor. Dabei muss zwischen Vollhybriden (HEV) und Plug-in-Hybriden (PHEV) unterschieden werden.
Ein klassischer Vollhybrid kann seine Batterie nicht über das Stromnetz laden. Energie wird unter anderem durch Rekuperation beim Bremsen zurückgewonnen. Plug-in-Hybride besitzen dagegen eine größere Batterie und können extern geladen werden.
Gerade beim Plug-in-Hybrid entscheidet das Fahrprofil besonders stark über die Kosten. Wird regelmäßig geladen und ein großer Teil der täglichen Strecke elektrisch zurückgelegt, kann der Kraftstoffverbrauch deutlich sinken. Wird dagegen kaum geladen, muss der Verbrennungsmotor wesentlich häufiger arbeiten.
Das macht pauschale Kostenvergleiche schwierig. Auch der ADAC weist darauf hin, dass die tatsächlichen Kosten von Plug-in-Hybriden besonders stark vom individuellen Nutzungsprofil abhängen.
Beispiel Vollhybrid
Bei einem angenommenen Verbrauch von 5 Litern Benzin pro 100 Kilometer würden bei 15.000 Kilometern und 1,92 Euro je Liter rund 1.440 Euro Energiekosten pro Jahr entstehen.
Damit liegt der Beispiel-Hybrid beim Energieverbrauch zwischen den zuvor betrachteten Benzinern und Elektroautos. Allerdings gilt auch hier: Ein höherer Anschaffungspreis kann einen Teil der Einsparungen wieder aufzehren.
Elektroauto: Niedrige Energiekosten, andere Kostenstruktur
Beim Elektroauto verschiebt sich die Kostenstruktur. Statt Benzin oder Diesel wird Strom benötigt. Der Energieverbrauch pro Kilometer ist häufig niedriger als bei einem Verbrennungsmotor.
Entscheidend ist allerdings, wo geladen wird.
Der aktuelle ADAC-Kostenvergleich rechnet für Elektroautos beispielsweise mit 18 Cent pro Kilowattstunde bei eigener Photovoltaikanlage, 35 Cent bei normalem Haushaltsstrom, 45 Cent bei überwiegendem Heimladen mit gelegentlichem öffentlichen Laden und 60 Cent bei ausschließlich öffentlichem Laden.
Nimmt man für eine Beispielrechnung 18 kWh pro 100 Kilometer und 35 Cent pro Kilowattstunde an, ergeben sich bei 15.000 Kilometern:
15.000 km × 18 kWh / 100 km × 0,35 Euro = 945 Euro pro Jahr
Bei 45 Cent pro Kilowattstunde wären es bereits 1.215 Euro. Bei 60 Cent pro Kilowattstunde steigt der Betrag auf 1.620 Euro. Das zeigt: Ein Elektroauto ist nicht automatisch bei jeder Ladesituation günstiger. Wer zu Hause günstig laden kann, hat gegenüber dem öffentlichen Laden einen erheblichen Kostenvorteil.
Kfz-Steuer: Elektroautos haben weiterhin einen Vorteil
Bei der Kfz-Steuer unterscheiden sich die Antriebsarten ebenfalls. Für reine Elektroautos gilt weiterhin eine Kfz-Steuerbefreiung. Nach aktueller Regelung endet diese spätestens am 31. Dezember 2035. Plug-in-Hybride profitieren dagegen nicht von dieser vollständigen Befreiung. Bei Benzinern und Dieselfahrzeugen spielen unter anderem Hubraum und CO₂-Ausstoß eine Rolle. Ein Diesel kann deshalb trotz seines niedrigeren Kraftstoffverbrauchs bei der Kfz-Steuer teurer sein. Die Steuer sollte deshalb immer anhand des konkreten Modells berechnet werden.
Versicherung: Ein Kostenpunkt, den viele unterschätzen
Ob Benziner, Diesel, Hybrid oder Elektroauto: Bei der Versicherung gibt es keinen pauschalen Gewinner. Die Beiträge hängen unter anderem von Fahrzeugmodell, Typklasse, Regionalklasse, Schadenfreiheitsklasse, Fahrleistung, Alter der Fahrer und gewähltem Versicherungsumfang ab. Deshalb kann ein vermeintlich günstiges Fahrzeug bei der Versicherung deutlich teurer sein als erwartet.
Besonders beim Vergleich verschiedener Antriebe sollte daher nicht einfach eine pauschale Versicherungssumme angenommen werden. Wer die Gesamtkosten vor dem Kauf berechnen möchte, sollte für die konkreten Modelle individuelle Versicherungsangebote einholen.
Wartung und Reparaturen
Auch bei den Wartungskosten unterscheiden sich die Antriebsarten. Elektroautos besitzen einen deutlich einfacheren Antriebsstrang als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor. Klassische Arbeiten wie Ölwechsel oder bestimmte Wartungen am Verbrennungsmotor entfallen. Dafür können bei Elektroautos andere Kosten entstehen, beispielsweise rund um Hochvoltsystem, Batterie oder spezifische Komponenten. Bei Hybridfahrzeugen kommen dagegen zwei Antriebssysteme zusammen. Der Wartungsaufwand hängt deshalb stark von der konkreten Konstruktion ab.
Unabhängig vom Antrieb bleiben typische Kosten wie Reifen, Bremsen, Scheibenwischer, Flüssigkeiten, Hauptuntersuchungen und mögliche Reparaturen bestehen.
Die Gesamtrechnung: Ein Beispiel mit 15.000 Kilometern
Eine einfache Modellrechnung verdeutlicht, warum der Energieverbrauch allein keine Kaufentscheidung ermöglicht.
| Kostenfaktor | Benziner | Diesel | Hybrid | Elektro |
| Beispielverbrauch | 7,0 l/100 km | 5,8 l/100 km | 5,0 l/100 km | 18 kWh/100 km |
| angenommener Energiepreis | 1,92 €/l | 1,92 €/l | 1,92 €/l | 0,35 €/kWh |
| Kosten pro Jahr bei 15.000 km | ca. 2.016 € | ca. 1.670 € | ca. 1.440 € | ca. 945 € |
| Kfz-Steuer | modellabhängig | modellabhängig | modellabhängig | derzeit 0 € |
| Versicherung | modellabhängig | modellabhängig | modellabhängig | modellabhängig |
| Wartung | modellabhängig | modellabhängig | modellabhängig | modellabhängig |
| Wertverlust | modellabhängig | modellabhängig | modellabhängig | modellabhängig |
Wichtig: Die Tabelle ist eine Modellrechnung und kein allgemeiner Preisvergleich aller Fahrzeuge. Bereits Unterschiede bei Verbrauch, Energiepreis, Kaufpreis, Versicherung oder Restwert können das Ergebnis erheblich verändern.
Was kostet das Auto wirklich?
Die entscheidende Erkenntnis lautet deshalb: Der günstigste Antrieb lässt sich nicht allein anhand des Verbrauchs bestimmen.
Ein Diesel kann beim Energieverbrauch Vorteile gegenüber einem Benziner haben. Ein Hybrid kann insbesondere im Stadtverkehr seinen Verbrauchsvorteil ausspielen. Ein Elektroauto kann bei günstigem Heimstrom sehr niedrige Energiekosten erreichen.
Gleichzeitig können Anschaffungspreis, Wertverlust, Versicherung und andere Fixkosten diese Vorteile teilweise wieder ausgleichen.
Der aktuelle ADAC-Vollkostenvergleich zeigt genau dieses Bild: Je nach konkretem Fahrzeug und zugrunde gelegtem Strompreis liegt einmal das Elektroauto und einmal der Verbrenner bei den Gesamtkosten vorn. Bei den untersuchten Modellen lagen beispielsweise die Kosten eines Cupra Born bei 61,9 bis 67,9 Cent pro Kilometer, während der vergleichbare Benziner mit 64,7 Cent pro Kilometer kalkuliert wurde. Entscheidend war dabei unter anderem der angenommene Strompreis.
Fazit: Nicht den Antrieb, sondern das Gesamtpaket vergleichen
Wer beim Autokauf sparen möchte, sollte sich nicht von einem niedrigen Kaufpreis oder einem besonders niedrigen Verbrauch allein überzeugen lassen.
Sinnvoller ist eine Vollkostenrechnung über die geplante Haltedauer.
Dafür sollten Käufer mindestens folgende Fragen beantworten:
- Wie viele Kilometer fahre ich pro Jahr?
- Wie hoch sind Verbrauch und Energiepreis?
- Kann ich ein Elektroauto zu Hause laden?
- Wie hoch sind Versicherung und Kfz-Steuer?
- Welche Wartungs- und Reparaturkosten sind zu erwarten?
- Wie hoch ist der Wertverlust?
- Kaufe oder lease ich das Fahrzeug?
- Welche zusätzlichen Kosten entstehen für Finanzierung, Wallbox, Überführung oder Zulassung?
Wer diese Punkte berücksichtigt, erhält ein wesentlich realistischeres Bild der tatsächlichen Autokosten. Denn am Ende ist nicht das Auto mit dem niedrigsten Kaufpreis das günstigste – sondern das Fahrzeug, das über die gesamte Nutzungsdauer die niedrigsten Gesamtkosten verursacht.